Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 24.1913

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INNEN-DEKORATION

PROFESSOR EMANUEL VON SE1DL-MÜNCHEN

LOGGIA VOR DEM SPEISEZIMMER DES HAUSES PRVM-STOLBERG

handeltem Empirestil mit kreisrunder Stuckdecke
und vorspringendem Abschlußgesims aus Maha-
goni mit silbernen Rosetten komponiert; es ist
dadurch, neben der Beleuchtung durch den Kristall-
Lüster, die Möglichkeit einer indirekten Beleuch-
tung geschaffen. Das Herrenzimmer, gewölbt
mit hoher Vertäfelung, steht im Kontrast zu den
hellen Wänden der umgebenden Nebenräume.

Dies sind etwa die Angaben, deren der Be-
trachter der Abbildungen zur Würdigung der-
selben bedarf. Gerne verweilt auch hier wieder
das Auge bei der unübertrefflich liebenswürdigen,
gewinnenden Detail-Durchführung, die immer
das Interesse von neuem weckt, die den Aufent-
halt in den Räumen so unterhaltend und an-
ziehend macht. Es läge, da ich diese Zeilen in
Paris schreibe, nahe, diese vorbildliche deutsche
Leistung zu französischen Bemühungen um eine
moderne Innenkunst in Kontrast zu setzen. Doch
sei darüber nur das Eine gesagt, daß solche
Kontrastierungen uns immer von neuem und im-
mer tiefer den gewaltigen Vorsprung erkennen
lassen, den deutsche Kunst, deutsches Den-
ken und deutsche Beharrlichkeit uns auf
diesem Gebiete vor dem ganzen übrigen
Europa erkämpft haben, wilhelm michel-paris.

»DER WILLE DES BESTELLERS«

Eigentlich sollte man der Entwicklung der Dinge nicht
vorgreifen. Es geht alles seinen Gang. Wir können
nichts voraussagen, nur vom Geschehenen Kenntnis
nehmen. — Es ist ja bekannt, daß nichts größere Be-
ständigkeit zeigt als der Wechsel der Dinge, als der
Wandel des Geschmacks — als die Wiederkehr des Alten
in irgend einer neuen Form. Bei voller Objektivität
gerade würden wir nicht sagen können, das oder das sei
noch nicht dagewesen. Ben Akiba behält doch zuletzt
immer wieder Recht. Das menschliche Schaffen und
Ringen geht dem der Natur parallel. Es kehrt Alles
wieder, aus neuen Quellen und verjüngt, neu ge-
modelt, aber doch immer das Ursprungszeugnis mit sich
führend. Ja, wir selber bleiben nicht einmal die Glei-
chen, wechseln unsere Stellung zu den Dingen, stellen
unsere Augen zu ihnen neu ein, und sehen so Altes als
Neues und, wie das jetzt wieder der Fall ist, Neues als
veraltet an. Es ist geradeso wie in der Politik, letzten
Endes sind wir doch stets die Opfer der Verhältnisse. —
Der persönliche Kampf der Meinungen im Kunstgewerbe,
um das Gesicht der neuzeitlichen Wohnung hat neuer-
dings eine mildere Form angenommen, die Kämpfen-
den selbst sind aber viel zahlreicher geworden. Es
ist ein Nachwuchs inzwischen auf den Plan getreten,
der geschäftliche und künstlerische Interessen wieder
mehr in Einklang zu bringen sucht. Zu den günstigsten
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