Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 24.1913

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XXIV. JAHRGANG.

DARMSTADT.

MÄRZ 1913.

NEUE ARBEITEN VON LOSSOW & KÜHNE - DRESDEN

INNENRÄUME VON HERRENHÄUSERN UND SCHLÖSSERN

Es mag beim Beginn der neuzeitlichen Bewegung
wohl nicht immer ein Leichtes für den in der
Praxis stehenden Architekten gewesen sein, bei der
damals noch so schwierigen Lösung der sich dar-
bietenden, an sich so alten, jetzt aber scheinbar
ganz neuen Aufgaben stets nur rein sachlich
vorzugehen, d. h. alle gesuchte, praktisch unver-
wertbare »Originalität« zu vermeiden und an ihre
Stelle Vernunftmäßigkeit, Ruhe, Verallgemeinerung
zu setzen. Ein solches Streben hat indes viel
früher zu wirklich brauchbarem Können geführt,
viel schneller auch zu einem wirklichen Begreifen
seitens des Publikums, das dann der ganzen Be-
wertung der modernen Bewegung zugute ge-
kommen ist. Aus der Verallgemeinerung ist
dann aber immer mehr eine feinere Individuali-
sierung geworden: man hat sich immer mehr in
die besonderen Aufgaben des jedesmaligen Falles,
wie sie Lokalität, Bestellerwünsche u. dergl. zu
stellen pflegen, zu vertiefen gesucht, hier die er-
reichbar besten Lösungen zu finden sich bestrebt,
und auf diesem Wege eine natürliche Mannig-
faltigkeit erzielt, die gesunder und verwertbarer
erscheint, als das beständige Ersinnen neuer Ge-
staltungen von Grund aus, ohne einer unmittel-

baren Forderung der Praxis dabei zu entsprechen.
Wenn die Architektenfirma Lossow&Kühne
in Dresden heute als eine der beliebtesten und
am meisten beschäftigten in dieser Stadt für neu-
zeitliche Wohnungskunst gelten kann und ihr
Wirkungskreis schon seit langem die Grenzen
dieser weit überschritten hat, so verdankt sie
diese Stellung nicht nur dem Umstände, daß sie
eine der ersten in Dresden war, die sich vor
nunmehr über zehn Jahren den so wichtigen und
interessanten neuen Aufgaben mit aller Energie
widmete, - ein solcher Vorsprung ist dann so leicht
nicht wieder von anderen einzuholen; — sie ver-
dankt diese Stellung in gleichem Maße ihrem
Streben von Anfang an, diese Aufgaben möglichst
in der erwähnten sachlich-praktischen Weise
zu lösen. Das werden die vorliegenden Beispiele
der letzten Arbeiten wohl bestätigen.-Die Abbil-
dungen zeigen zunächst zwei der bedeutendsten
Räume der Villa Langelott in Dresden, die als
Bauwerk dadurch interessant ist, daß ihr Besitzer,
als Inhaber einer großen Betonfirma, sie äußerlich
mit Beton statt mit Haustein hat bekleiden lassen
Die stattliche, eingeschossige Diele (Seite 138)
ist, wie es sich für einen solchen Raum geziemt,

1913. III. 1.
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