Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 26.1915

Page: 136
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1915/0158
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
136

INNEN-DEKORATION

PROFESSOR ADELBERT NIEMEYER. FRÜHSTÜCKS-TISCH IN D. FENSTERNISCHE. SPEISEZIMMER DES HAUSES KRAWEHL

des Hauses effektvoll zu machen. Das ist ihm zu
billig, zu äußerlich. Der Tapezierermanier stellt
er höchste geläuterte Kunst farbiger Raum-
schöpfung entgegen. Er arbeitet nie »mit allen
Mitteln« — ein Gedanke des Künstlers bestimmt
alles. — Nur einige Farbnotizen zu den Bildern:
Der Kamin da aus tiefgrünem verde antico, in den
behaglichen geblümten Sesseln Grün und Rot. Das
Kränzel oben, so etwa in den Farben der Wein-
ernte. Gegenüber der Kaminwand der erhöhte
Bibliothek-Eingang neben der Treppe. Hier flutet
ein volles grünes Licht über den warmen Teppich
zum schwarz - weißen Marmorboden und gibt
dem holzgeschnitzten molligen Putto auf dem
eichenen Treppenpfosten etwas vom lustigen Ver-
steck. Vom Treppenaufgang kommt helles Licht.
Man sieht eine rosig geblümte Tapete. In der

weißen Vertäfelung der Halle links bemerkt man
nicht die Türe zum Damenzimmer. — Auch des
Abends ist die Halle ein Lichtgenuß. Da er-
wärmt abendgolddämmriger Schein, von den
oberen Fenstern her, die lichte Halle. Decken-
licht fehlt wohlweislich. Einige kabinenartige
Wandlichter, Steh- und Tischlampen dienen je-
weiligem Bedürfnis. Die Möbel, die Lampen,
die Wandschränkchen sind echt Niemeyersche
Schöpfungen, alles liebenswürdig, wählerisch,
alles leise Lustigkeit, nichts patzig, aufdringlich.
Da und dort ein altes Hausstück verwendet, wie
die alte holländische Hausorgel, zu deren Tönen
oft Kinderchöre von der Galerie herab die Halle
erfüllen. . . . Den »Bibliotheksraum« beherrscht
farbig das geräucherte grau-grüne Eichenholz der
Möbel, der Vertäfelungen, der Balustrade, der
loading ...