Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 30.1919

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INNEN-DEKORATION

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LAMPENSCHIRME IN PAPIER U. SEIDE. MIT MALEREI VON GEORG SCHRIMPF UND ELSA SCH1EMANN. FRIED MANN & WEBER—BERLIN

ÜBER DEKORATIVE KUNST

VON PROFESSOR DR. EMIL UTITZ-ROSTOCK

Echte impressionistische Kunst war nie dekorativ. Sie
sollte auch nicht Wände schmücken oder reizvoll
beleben, geschweige denn Zwecken der Architektur
dienen. Sie war reine Malerei, deren Wert und Sinn in
ihr beschlossen lag. Was ich hier »reine Malerei« nenne,
darf nicht mit dem verstaubten Schlagwort »Kunst für
Kunst« zusammengeworfen werden: ich meine lediglich,
daß der Impressionismus mit unerbittlichem Ernst, mit
großartigem Wahrheitsdrang und einer wunderbar keuschen
Verehrung alles Naturhaften die sichtbare, farbige Welt
erobern wollte, so wie sie ihm erschien. Und keine anderen
Rücksichten banden sein Streben. Diese männlich herben
Bilder sind so recht — Museumsstücke. Sie sind nur
kostbare Malerei; diese Beschränkung ist zugleich ihr
vornehmster Ehrentitel. Darum bedürfen sie auch einer
Umgebung, die lediglich der Malerei gewidmet ist. Schon
eine betont rhythmische oder sonst irgendwie akzentuierte
Hängung bringt einen Mißklang: falsche Liebedienerei
am untauglichen Objekt. Ungestörte Ruhe brauchen diese
Werke, dann entfalten sie königlichen Reichtum. Sie
fordern gleichsam die kühle Neutralität des Sammelraumes.
Gutes Licht, passender Hintergrund, verträgliche Nach-
barn und Platz; das sind ihre Lebensbedingungen. Alle
anderen Hilfen verschmähen sie. Handelt es sich deshalb
um ein bewohntes Zimmer, so muß sich dieses seiner
ganzen Anlage nach unterordnen, ein erweiterter und dabei
doch bescheiden zurücktretender Rahmen sein. Ähnlich
dominiert in einem angemessenen Musikraum das Instru-
ment, und jegliches ist eingestellt auf den möglichsten
Genuß an Tonwerken, der nicht abgelenkt oder durch-
kreuzt, sondern gesteigert werden soll.

Selbst ein Versuch, lyrische Stimmungen impres-
sionistisch zu gestalten, ist bereits von diesem Standpunkt
aus: Verwässerung, Auflockerung; Empfindsamkeit neben
ergriffen schweigendem oder feierlich rollendem Pathos.

Wo gar unternommen wurde, die Farben »geschmackvoll«
zu arrangieren, da war eigentlich schon der Weg des
Impressionismus verlassen. Nicht daß diese Wege nun
schlechter sind; eine Unterhaltung darüber wäre Unsinn:
aber anders sind sie, grundverschieden. Und darüber
muß man sich klar sein. Zugleich vollzog sich aber hiermit
bereits eine Annäherung an das Dekorative. Der zärt-
lichere Hauch des Lyrischen paßte schon besser in die
weiche Luft bewohnter Räume; er durchkältete sie nicht
und wühlte sie auch nicht auf. Wo »gepflegte« oder
»elegante« Kultur zu gestalten begann, schlössen sich
leicht enge Bande zur dekorativen Bestimmung. Die Note
war angeschlagen, die gleichfalls im vornehmen Heim
erklang. Nur ein Schritt weiter: und die Themenwahl
konnte in Rücksicht auf die Schmuckwirkung getroffen
werden. Es entstanden die Bilder, die nun wieder im
»Museum« verloren sind, für die der Sammler keiner
eigenen Räume bedarf, sondern die sich erst im wohn-
lichen Gemach wohl fühlen, in dieser Atmosphäre, auf
die sie abgestimmt sind. So münden Seitenwege des
Impressionismus ins Dekorative, während er an sich diesen
Prinzipien fernsteht. Er will das unerschöpfliche Leben
in der quellenden Ganzheit des Seins, wie es sich dem
empfindlichen Auge offenbart, aber nicht Schmuck, Schön-
heit, Einordnung in architektonische Rabmung.

Von ganz anderen Grundlagen her kam der Expres-
sionismus, wenn man sich dieses wenig glücklichen Schlag-
wortes bedienen darf: straffe Komposition, architektoni-
scher Aufbau, Betonung des Wesenhaften unter Aus-
schaltung alles nur Mit-Bestimmenden usw. Das sind
Züge, die zur Monumentalität aufzugipfeln vermögen, die
aber auch leicht im Dekorativen sich ausleben oder gar
im Kunstgewerblich-Plakathaften. Die straffe Komposition
wandelt sich in die konventionelle Formel, der architek-
tonische Aufbau in das dekorative Gerüst, und die Be-
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