Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 30.1919

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XXX. JAHRGANG.

DARMSTADT.

NOVEMBER 1919.

DIE »DEUTSCHE BÜCHEREI« IN LEIPZIG

ERBAUT VON BAURAT PUSCH-LE1PZIG

Am 3. Oktober 1912 erfolgte durch die Gründung eines
/~\. Archivs des deutschen Schrifttums unter dem Na-
men »Deutsche Bücherei« die Verwirklichung eines
Gedankens, der seit 1848 viele der besten deutschen
Köpfe wieder und wieder beschäftigt hatte. Vertrags-
schließende waren der sächsische Staat, die Stadt Leipzig
und der Börsenverein der deutschen Buchhändler. Auf-
gabe und Bestimmung der Deutschen Bücherei wurden fest-
gelegt in § 2 der Satzung, welcher von ihr die Sammlung
der gesamten deutschen und fremdsprachigen
Literatur des Inlandes und der deutschsprachigen
Literatur des Auslandes vom 1. Januar 1913 an
fordert. — Dem Vertrage nach fällt dem Börsenverein
die möglichst restlose Beschaffung der Druckwerke und
der Betrieb der Deutschen Bücherei, dem Staate und der
Stadt die Deckung der Verwaltungskosten zu. Die Stadt
schenkte des weiteren ein Grundstück in Größe von
16000 qm, der Staat übernahm die Errichtung und Aus-
stattung aller nötig werdenden Bibliotheks- und Verwal-
tungsbaulichkeiten. Da bei dem vorauszusehenden all-
mählichen Wachsen der Bibliothek ein stufenweiser Aus-
und Weiterbau der Erstanlage richtig schien, handelte es
sich vorerst um Beschaffung von Verwaltungs- und Spei-
cherräumen für die ersten zwei bis drei Jahrzehnte, das
heißt um die bequeme und praktische Unterbringung
von fünfzig bis hundert Beamten, etwa vierhundert
Benutzern und rund einer Million Buchbinderbänden.
Mit Energie und Umsicht trat die staatliche Baubehörde

an die ihr gestellte, mit technischen Problemen reich
beschwerte Aufgabe heran. Die Planung des Baues
wurde von Baurat Pusch entworfen, die Ausführung von
Baurat Baer überwacht. Am 19. Oktober 1913 erfolgte
die Grundsteinlegung, am 30. April 1915 die Schluß-
steinlegung des in der Nähe des Völkerschlachtdenkmals
gelegenen stattlichen Gebäudes, das über vorgelagerte
Anlagen hinweg schon von weitem den Besucher grüßt.
Das 120 m lange Vordergebäude, dessen Formengebung
an Bauten der Frührenaissance gemahnt, bietet an seinen
Schmalseiten Möglichkeit für spätere Anbauten. Das
braunrote Ziegeldach kontrastiert aufs beste mit dem
grauen Ton der Wände, dem weißen Gitterwerk und der
reichen Vergoldung an Mittelfenstern und Türen. Eine
monumental gehaltene Freitreppe führt zu den mit kunst-
vollen Schmiedearbeiten versehenen drei Eingangstoren,
über deren Sims sechs Figuren, die Verkörperungen der
vier Fakultäten, der Kunst und des Handwerks, Wache
halten. — Die Glasmosaiken an beiden Seiten der Ein-
gangshalle »Schreiben, Lesen, Bilder malen und betrach-
ten« wurden von Max Seliger entworfen. Eingangshalle,
Treppenflure und Haupttreppen sind mit gestocktem deut-
schen Marmor ausgelegt. Besonders reich an Kunstwer-
ken, die von Freunden und Förderern der Deutschen
Bücherei gestiftet wurden, ist das Treppenhaus. Im Erd-
geschoß wird das Auge des Beschauers durch eine von
Professor Pfeifer—Leipzig geschaffene Brunnenfigur ge-
fesselt. Im ersten Obergeschoß hat ein von Professor

181». XI. I.
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