Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 30.1919

Page: 383
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1919/0403
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
DAS LEBENDIGE HAUS«

Wir wollen das Lebendige gestaltenI.. Dem Bau-
meister des früheren, reichen Deutschlands mag
es unerträglich sein, so im Kampf um jede kleine Mög-
lichkeit bauen zu müssen, wie die Not der Zeit nun for-
dert. Uns wird der Zwang in äußerster Zusammenfassung,
die Beschränkung auf das materiell und geistig allein
Notwendige den rechten Weg führen zu unseren Häusern.
Immer wieder sind alle Glieder des Hauses durchzu-
denken nach ihrem Lebensrecht und inneren Gesetz.
Nichts darf in unseren Häusern anders sein, als es wirk-
lich sein muß. Kein Winkel darf in unseren Häusern
bleiben, der noch zufällig, undurchdacht und ungeformt

ist. Das Haus als Summe dieser Einzelteile, als Gesamt-
funktion aller lebenden Organe muß zum Kristall werden:
Klingend, klar, sinnvoll und eindeutig! . . . Auch vom
Bauherren verlangen wir viel. Nicht nur irgend ein Haus
mit gewählter Raumzahl, sondern die einzige Schale für
den Organismus der Familie ist zu bilden. Wir fordern
damit seltene Bewußtheit des Lebensstiles. Vor allem
aber fordern wir Wahrheit im Leben, damit unser Werk
Ausdruck und Kleid werden kann für das Lebendige,
nicht konventionelle Verschleierung mühsam verborgener
Disharmonien oder gedankenlose Zusammenfassung von
Unvereinbarem. Wir fordern Verzicht auf falschen

1919. XI. 4.

ENTWURF: LUCIAN BERNHARD-BERLIN. KLEIDER- U. WASCHESCHRANK IM SCHLAFZIMMER SEITE 385
loading ...