Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 30.1919

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XXX. JAHRGANG.

DARMSTADT.

DEZEMBER 1919.

LANDHÄUSER AM NIEDER-RHEIN

ZU DEN ARBEITEN VON FRITZ AUGUST BREUHAUS

Die Künste siedeln sich gerne da an, wo gesellschaft-
liche und menschliche Kultur ihnen den Boden vor-
bereitet hat. Es ist kein Zufall, daß am Niederrhein mit
seiner gepflegten und für gesellschaftliche Form empfäng-
lichen Menschlichkeit sich künstlerische Tradition mit am
längsten in Deutschland halten konnte. Es weht in
Düsseldorf eine Luft, die man mit der Münchener, ja in
gewissem Sinne mit der Wiener Luft vergleichen kann;
eine Luft, die der Kunst günstig ist, die zu heiterem,
festlichem Genüsse stimmt. Die breit und heiter am
Strom hingelagerte Stadt mit ihren gutgeführten Straßen-
zügen, der sprechenden, von Historie anmutig durch-
klungenen Architektur, der in raschem, leichtem Tempo
bewegten Bevölkerung, mit ihrem Hauch von Eleganz,
Gegenwartfreude und Romantik, leichtlebig, genießerisch
und formvoll: es ist ein Bild, aus dem überall lebendiges
Kunstgefühl spricht. Bewährt hat sich dies in der male-
rischen Kultur, die Düsseldorf trotz starker zeitweiser
Verdünnung immer noch festhalten konnte; positiver
noch in der großen Bedeutung, die die Stadt als Mittel-
punkt der Kunstpflege neuerdings zu gewinnen ver-
mochte (Schauspiel, Galerien). Aus diesem leichten,
triebkräftigen Boden ging Fritz August Breuhaus hervor
als echtes Produkt. In ihm wurzelt er heute noch, fast
mit derselben Determiniertheit, mit der Wiener Künstler
in ihrem Boden wurzeln. Sieht man auf Düsseldorfs
vornehmster Promenadenstraße eine fröhliche Mensch-
heit sich behaglich und bunt dahintreiben, Lachen auf

vielen Gesichtern, Schwung und Form in der Kleidung
(es ist freilich ein Friedensbild, nach dem ich zeichne),
vorüber an plauderhaft offenen Kaffeehäusern und Kon-
ditoreien, auf der andern Seite gesäumt von Reihen breit-
kroniger Bäume und dem kühlen grünen Wasserlauf eines
Kanals: dann hat man etwa die Stimmung der Kunst
eines Breuhaus. Sie ist echt und instinktiv in ihrem
Schmucktrieb, in ihrer Empfindlichkeit für optischen
Wohllaut und sinnliches Vergnügen; sie verbindet Altes
mit Neuem, sie ist historisch geschult, modern im
Geiste, erfindungslustig und kühn, aber geschmacklich
gedämpft; keineswegs frei von einem preziösen Ein-
schlag und modischer Keckheit, aber im Entscheidenden
doch durchaus künstlerisch gezügelt.

Haus und Räume, die wir hier zeigen, sind des
Künstlers Eigentum. Er hat sie sich vor Jahren gebaut
in der Villenkolonie »Meererbusch« bei Düsseldorf, die
seine Schöpfung und Unternehmung ist. Eine breite,
heitere Landstraße, von jungen Bäumen besäumt, führt
hinzu. Hochgiebelige Häuser unter hohem, flutendem
Himmel, breit und behaglich hingelagert, vielfach ge-
ziert mit irgend einer sprechenden, eleganten Einzel-
heit, einem lusligen Erker oder einem goldenen Gitter,
immer mit einem aparten Grundriß und einer individuellen
Fassade. Das Wesen des Architekten spricht sich in der
ganzen Kolonie aus, besonders in dem offenen, zugäng-
lichen, ansprechenden Auftreten jedes Hauses, in dem
gefälligen Beieinanderwohnen von Bau und Garten. In

1919. XII. 1.
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