Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 30.1919

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INN EN-DEKORATION

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architekt f. a. breuhaus—coln u. düsseldorf

»haus zum busch« — büderich. gartenseite

seinem Eigenhaus gibt es kein strenges Abschließen von
Raum gegen Raum. Alle Einzelräume gruppieren sich
um die Halle, schmelzen in sie und in einander über in
fließendem Austausch, entwickeln sich aus der Halle als
Spezifikationen einzelner Raumdienste. Die einzelnen
Räume werden nur so individualisiert, wie eine musika-
lische Figur in einem Tonstück sich individualisiert:
immer miteinander verbunden durch fließende, bewegliche
Tonketten. Man fühlt in diesen Räumen, wie sehr alles
Starre, alles Trennen und Einmauern dem Wesen dieses
Künstlers zuwider ist. Er ist im Kern seines Wesens
eine »ausfließliche«, sich schenkende und hingebende
Natur; die Kräfte der Zusammenballung, des Abschließens
treten davor zurück. Man könnte diese Räume auto-
biographisch ausdrucksvoll nennen. Musik ist ihr Geist.
Bewegung überall, überall Herausarbeiten tönender Raum-
figuren, besonders auch im Anstieg der Treppen, in
Treppenabsätzen und Korridoren, in der Plafondgestal-
tung, in Ein- und Ausgängen. Dabei aber doch keine
Unruhe, nur plauderhafte, ansprechende Heiterkeit und
niemals Verlegenheit um einen glücklichen, überraschen-
den Einfall. Eine formvoll und weltmännisch konver-
sierende Architektur, den Augen leicht faßbar und bei-
nahe in einem literarischen Sinne zugänglich und an-
regend. Der hier abgebildete Frühstücksraum mit dem
eben noch sichtbaren Erkerausbau: charakteristisch in
der heiteren, souveränen Lichtführung, in der feinen

Durchfühltheit aller Beziehungen zwischen Wand, Decke,
Tür und Vertäfelung, den reizvoll eingefügten Schatten-
keilen, senkrecht und wagrecht, über dem Erker und
hinter der einspringenden Ecke; ein kokett eingeschmieg-
tes Glasschränkchen im Winkel, gefällig mit der Ver-
täfelung verbunden; überm Tisch das Lächeln des Lichtes
in Glas und Metall; rund um ihn dann wieder die be-
tonten hohen Geraden der Stuhllehnen, weltmännische
Korrektheit und Zurückhaltung in Weichheit und Leich-
tigkeit eingesprengt; höfliche Treppenstufen, gelinde ein-
und ausführend, gewinnende Sessel, liebenswürdige
Blumen und Blattpflanzen, ein treuherziger Plafond. Und
so schmilzt Innenraum in Natur, das Haus in den Garten:
eine Treppenstufe, dann ist der Mensch vom Teppich
auf dem Rasen, den eine heitere Pflanzung junger Birken
im Rund abschließt. — Es versteht sich fast von selbst,
daß diese leichte Erfindung, dieses schwerelose Künst-
lerwesen auch die leichten, nachgiebigen Dekorations-
mittel liebt; des zum Zeugnis der Küchenschrank mit
wandgemalter Bekrönung und sinnvollem Spruch. Dies
wie manches andere Schmuckelement den reichen Schätzen
der niederdeutschen Volkskunst entnommen. Man sieht
sie fortwirken in dem lustigen Kinderbett, auch in dem
sonst so ernsten, dreiflügeligen Schrank, dessen recht-
eckige Füllungen mit geschnitzten Blumenmotiven belebt
sind, ganz in dem kantigen, derben Geiste alter deutscher
Holzmodeln erdacht................willy frank.
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