Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 31.1920

Page: 80
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1920/0092
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
so

INNEN-DEKORATION

richard l. f. schulz—berlin »landhausmobel«. kleiner teetisch

SCHÖNHEIT IN DER BESCHRÄNKUNG

Sollen wir deshalb, weil wir arm geworden sind, das
Schöne entbehren? Wir werden in unseren Bauten
enger aneinander rücken müssen, wir werden dem gol-
denen Uberfluß in jeder Form entsagen; niemals aber
wollen und dürfen wir der Kunst entsagen. — Mit dem
Überfluß wird auch das Uberflüssige aus dem bürger-
lichen Heim verschwinden: die wertlosen Nippes, die
Bordbretter anfüllten, der japanische Fächer an der Wand,
die Holzbrandmalerei der höheren Tochter, alle ge-
schmacklosen »Galanterie«-Ungeheuerlichkeiten. Wir
werden wieder wie unsere Ahnen auf die Dauer-
haftigkeit der Kauf gegenstände achten lernen und
Formen wählen, deren wir nicht zu schnell überdrüssig
werden. Wenn man die deutsche Not von dieser Seite
betrachtet, kann sie, wie alles in der Welt, ihren Segen
haben. Sie kann erzieherisch auf die Käufer und viel-
leicht auch auf die Verkäufer wirken. Das teuere
Material wird zu kluger Ausnutzung zwingen. Der Mensch
der vergangenen Tage des wirtschaftlichen Aufstiegs
suchtein seinen Mußestunden Zerstreuung, Abwechslung.
Er wollte bei alltäglichen Gegenständen immer »an etwas
Anderes denken«. Der Aschenbecher mit Bismarck-
kopf sollte ihn an Politik erinnern, die Eiffelturmuhr an
Reisen u.s.f. Der Mensch unserer Tage will in seinen
Mußestunden Ruhe und Entspannung. Nur nicht Erinne-

rungen an Krieg, an Politik, an Reisen, zu deren Verzicht
ihn Portemonnaie und Unbequemlichkeiten der Ver-
kehrsmittel zwingen, daher müssen alle Gegenstände
des Gebrauchs sachlich werden .... Wir werden
viel arbeiten müssen und unsere Ruhestunden zum
Ausspannen notwendig gebrauchen. Da wollen wir
nicht unnötig Zeit auf Handgriffe verschwenden. Alles
muß handlich und leicht dienstbar sein. Zum Ab-
stoßen des Überflüssigen wird auch der beschränkte
Wohnraum zwingen, — selbst, wenn die Wohnungsnot
der nächsten Jahre überwunden ist. Den sogenannten
Salon der Bürgerwohnungen können wir im Notfall ent-
behren ; bei Schlaf- und Arbeitsräumen sind jedoch Ein-
schränkungen schwer möglich. Die Bedingungen der
Hygiene bedeuten hier Vorbedingungen der Schönheit.
Und die Pflege des Schönen soll, allen Zeitnöten
zum Trotz, auch im kleinsten Heim rege erhalten bleiben.
Der Wille zum Schönen vermag, — auch bei aller

Not — mehr, als manche ahnen........ r.corwegh.

A

Die Kunst soll nicht nur ein Konfekt für die Tafeln
der Großen und Reichen sein, sie soll eine kraft-
volle Speise für alle sein; sie soll wie die Sonne
ihren Glanz über Große und über Kleine, über Arme
und Reiche verbreiten........... peter corneuus.
loading ...