Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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INNEN-DEKORATION

BUDAPESTER WERKSTÄTTE. ENTW. LUDWIG KOZMA SCHREIBTISCH IN NUSSHOLZ MIT E1NLEOE-ARBEIT

Ludwig Printz, Karl Kozma und Anton Kretschek. DER SINN FÜR GESTALTUNG
Die »Budapester Werkstätle« hat die Idee voll ver-
wirklicht, daß eine kunsthandwerkliche Werkstatt keine \ I 7enn neben der Schulung der Verstandeskraft
mechanische,maschinenmäßige,sondernbeseelte Arbeit VV die Schulung der Gestaltun gskraft tritt, geht
verrichten soll. Im Bilden der Form gebührt wohl die man einer Schwäche der gegenwärtigen Kultur an einem
Führung dem Künstler, doch in der Wahl und Anwendung, Wurzelpunkte zu Leibe: dem Mangel anFormge-
Vcrarbeitung des Stoffes leisten Künstler und Werkslätte fühl. Die einseitige geistige Erziehung hat in unserem
ein gemeinsames Werk. Dies verleiht ihren Erzeugnissen, ganzen Dasein eine Kraft verkümmern lassen, die man den
bei vollkommener Ausführung, die von aller Langeweile »Willen zur Form« nennen könnte. Am stärksten konnte
freie, lebendig-frische, abwechslungsreiche Einstellung, man das wahrnehmen auf dem Gebiete des Geschmacks.

* . *

Es ist europäische Kultur in diesen schönen Arbeiten, Uberall in der Theorie ein Wissen vom Geschmack

Räumen, Möbeln, Kunstgegenständen der »Budapesti und eine Sehnsucht nach Geschmack, und in der Praxis

Mühely« und daß sie, bei all ihrer Nobilität, doch den die Unfähigkeit, diesen Regungen Form zu geben! Sie

ungarischen Boden repräsentieren, aus dem sie hervorge- werden erst zur Form kommen, wenn sie ein Geschlecht

gangen sind, dies gerade — so dünkt es uns — verleiht finden, dem aus eigener Anschauung heraus der Sinn

ihnen internationalen Wert.. . geza lengyel-Budapest, für das Wesen des Gestaltens geweckt ist! ....

* *

DIE KUNST DEM VOLKE«. Wir wollen diese Wer einmal selber versucht hat, einen Stoff zur Ge-
sinnlose Phrase umkehren: Der Kunst das staltung zu bringen, den täuscht nicht so leicht der Schein
Volk! Denn das Volk, und in seiner Vertretung heute leichtfertigen Pfuschwerks. Wer selber erlebt hat,
die Masse, ist der Boden der Kunst, und das, was wir was es heißt, der Materie seinen Willen aufzuprägen,
uns angewöhnt haben, »Kunst« zu nennen, kann nur der bekommt einen anders einschätzenden Blick für die
wahre Kunst werden, wenn es den richtigen tragen- gestaltenden Willensleistungen anderer. Kurz, es werden
den Boden bekommt: Der Kunst das Volk! — Nicht die Keime geweckt zu dem, was dem Menschen unserer
empfangen soll das Volk, es muß g e b e n. Oder richtiger Zeit als Gemeingut so nötig ist, jener Sinn für das
ausgedrückt: Die Kunst ist unser, wenn es uns gelingt, organische Werden, der das einzige Gegengewicht
das Volk wieder produktiv zu machen! adolf behne. ist gegen die Geschmackslosigkeit. prof.fr.Schumacher.
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