Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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INNEN-DEKORATION

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soltischchen, das überleitet zu der schalkhaften Koketterie vollen Tönen: Möbel in dunkelgelbem, gewachstem
eines verglasten Wandschränkchens. Ein Biedermeier Kirschbaum, Wände gelbbraun, Fensterbehang blau und
englischer Prägung, mit ganz modernen, expressionisti- braun, Bodenbelag grün mit dunkelgrauen Streifen. Im
sehen Zier-Elementen durchsetzt—so etwa könnte man Wohnzimmer der Dame (S. 146) tritt an den Wänden
die stilistische Haltung dieser Räume kennzeichnen. Sehr ein feines Blau auf, um das Ganze leicht und schwebend
bezeichnend spielen sich überall die Raffungen und Fal- zu machen, aber Möbel, Nische und Bodenbelag bringen
tungen duftiger und schwerer Gewebe durch die Zimmer, wieder die warmen Töne: Die Möbel: gelbgrau ge-
Uberall ist Liebe, Seele und Wärme. Die Möbel stehen strichen mit leichter Malerei, ein gelbbrauner Teppich;
neben einander in organischer Gruppierung wie Blumen als küble Farben darüber: grüngelb gestreifte Bezüge,
auf der Wiese: jedes ein abgeschlossenes, fein durch- ein Altsilber-Spiegel, grauweißes Holzwerk .. Im Schlaf-
gebildetes Einzel-Wesen für sich und gerade deshalb zimmer (S. 140): gelbe bemalte Möbel zu grüner Wand
voll der glücklichsten Beziehungen zu seinen Nachbarn, und rotbraunem Bodenbelag. Im Damen-Schlafzimmer
Bei einer solchen ausgesprochenen psychologischen (S. 141): Wand gelbbraun mit Blumen, grau gelbes Holz-
Handhabung der Innenausstattung versteht sich sorg- werk, gelbe Weichholz-Möbel, im Gegensatz dazu Nische
fältigste Beachtung der Farbe von selbst. Die Farbe mit Vorhang in Hellblau, der Bodenbelag: dunkelgrau
ist das unmittelbarste und unwiderstehlichste Mittel zur mit Blau . . . Und so wird durch alle Räume hindurch
Beeinflussung des Gemüts. Der wärmenden Einwirkung das Instrument der Farbe mit Meisterschaft gespielt,
eines schönen, dunklen *
Gelb, der erkältenden <*, Aus Weinzheimers ge-

Stimmung eines Blau fest^J&islb & samter Einstellung geht

oder Violett entzieht hervor, daß er die gegen-

sich auch das stumpfste *<SaijslllläC«&. wärtige Lage unserer

Gemüt nicht. Das Plau- .jn^l ^^p^P^i^!»^ Innenausstattung durch-

dem bunten Zierates f^^ä^&^j^^flM aus richtig erfaßt hat:

hellt den Geist auf wie \smf~'^s: ^^lilPiif Verwendung lauter ein-

Kinderlachen. Ein ed- JNslP ^^^tPP^fif heimischer Hölzer und

les, schönes Braun im Stoffe, Vertiefung nach

Holzton stimmt jeden I Mf ^er Seite des Gemüt-

Menschen zu einer
freundlich-ernsten, ge-
sellschaftlichen Haltung.
*

Weinzheimer gibt im
allgemeinen den war-
men Tönen (Goethe
nannte sie die »positiven
Farben«) den Vorzug.

und dem warmen Gelb
der Wände; der groß-
gestreifte Bodenbelag in
Blau und Grau bringt
dazu einen belebenden

haften, gute, edle Form,
mutiges Bekenntnis zu
starken, reinen Farben
und qualitätvolle Arbeit.
Eine bemerkenswerte
Begabung steht hier be-
reit, ihr Können und
Wollen in der Ausfüh-
rung gestellter Auf gaben

So begegnen sich nach i^^^^^fe^^a 2U bewähren, h. bitter.

seinen Angaben z. B. in rt^^^t rJKs^Psblir'' *

dem Empfangs-Raum ß RUF ZUR SELBST-

(s. Beilage) hellbrauner, §mf " STÄNDIGKEIT

buntgeblümter Sofabe- "vf;^

zug mit der dunklen, ^mj>1} Sklavische Anpassung

rotbraunen Nußbaum- ^ an Überlieferungen

färbe der Möbel, mit M^^^^^^^^^^^^^^M^^^c und Formem le8* die

dem altgoldenen Spiegel ^^^^f^^^-^^^^^^^^^^P^^^.^-^k individuelle Ausdrucks-

möglichkeit in Fesseln.
Es ist erstaunlich, daß
die Architektur der fort-
geschrittensten Völker
des Westens so jeder

Kontrast. Die Kamin- Originalität bar und so
ecke im Empfangs- ^^^^^^^^^i^^^^^^^^^^^^^ß^^^^Mk überlastet ist mit Wie-
zimmer (S. 138) stellt ^^^^^^^^^^^^^^^S^^^^^P^^ derholung toter Stile . .
zusammen den leichten '^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^a *
Graugelb-Ton der Wän- ^^^^^^^S^i^^^jv^^^^^^^^^^^^^^W ^an Da' von den
de, das Rot der Ziegel, ^^^^^^W^^p^^^p^^^^^^^ Griechen gesagt, sie
das Rotbraun des Holz- wären darum so groß
werks, die bunten Be- gewesen, weil sie nie aus
züge der Sessel. Auch der Antike geschöpft
imHerren-Schlafzim- hätten ... Ich wollte,
mer (S. 144) ist ein fs^jjf y0$ßm wir liebten die Alten
schönes Zusammen wir- mehr — und kopierten
ken von lauter kräftigen, lothar weinzheimer. nussbaum - kommode mit Spiegel sie weniger!.. okakura.
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