Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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INNEN-DEKORATION

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EMANUEL VON SE1DL t u. JULIUS SEIDLER STUCKDECKE IM SPEISESAAL SCHLOSS WOLFSBRUNN

rung der Masse, ihre Überwindung durch die Bewegung, wohl ein Anrecht darauf gewinnen, unter Führung von

— Eine Unart des Stucks hat sein Schicksal herauf- Künstlerhand jenes Reich schaffend zu betreten. Dann

beschworen. Nur zu leicht überschritt er den Kreis mag sich auf Wand und Deckengewölbe, in weißem Stuck

seiner Aufgabe, nur zu schmücken, und erstickte in dem geformt, ein neues, gestaltenreiches Leben einstellen,

zu Schmückenden jedes Eigenleben. Die Reaktion da- das die Melodie des Raumes um ein klangvolles Motiv

gegen war vernichtend. Die Freude an der Linie leicht- erweitert. In kecker Laune manchmal heraussprudelnd

frohem Spiel mußte erst wieder neu erwachen, wenn der oder einen tollen Einfall folgend, sei ihm sein Recht nicht

künstlerischen Antrag-Arbeit des Stucks bessere Tage verwehrt,— wenn der Künstler dies Gestalten meistert,

erblühensollten, jenem Zug auf ein Verneinen der Daseins- Nur er soll den Stuck formen und aus den glatten Flächen

formen folgend, wie er sich auch sonst heute bemerkbar jenes Traumleben hervorrufen. Bleibt er dieser Aufgabe

macht. Ist doch das Ornament die Märchenwelt der fern, so bleibe sie der ebene und unbewegte Spiegel,

bildenden Kunst. Und Tage, welche so stark das Recht Der Unberufene kann ihn nur trüben, nie zu einem sinn-

des Gefühls gegenüber dem Verstand betonen, mögen vollen Leben erwecken......dr. Leonhard kraft.

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