Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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INNEN-DEKORATION

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architekt max wiederanders —münchen halle mit kamin in einem filmwerk

»KÖNNEN UND SEIN«

Die funkelnde Bewegtheit des heutigen Geist- und Wir müssen uns klar machen, daß wir nicht auf Wissen

Kunstbetriebs kann nicht über seine innere Stoff- verpflichtet sind, sondern auf Wert; nicht auf Sehen,

losigkeit hinwegtäuschen. Wir sind klug, wir Menschen sondern auf Sein. Die Unstofflichkeit des heutigen

von heute; wir sind wendig und zugänglich für alle Arten Geistbetriebs kann kaum noch überboten werden. Sie

geistiger Einstellung. Ostliche und südliche Weisheit ist so üppig gewuchert, daß die Empfindung maskenhaf-

wissen wir uns dienstbar zu machen. Keine Weltan- ter Leere, gespenstischer Hohlheit sich jedem aufdrängt,

schauung, keine Bewertungsweise ist so entlegen, daß wir der noch Kern und Zwang lebendig in sich spürt. . . .

uns nicht, versuchsweise und kostümhaft, auf sie einlassen Was aber jeder Einzelne dennoch tun kann zur

könnten. Wir können dem Mystiker in seine tiefsten Bekämpfung dieser Leere, ist dies: bei allem Handeln

Einsichten, dem Rationalisten in seine frechsten Erküh- und Sprechen sich zu fragen, ob das Getane oder Gesagte

nungen folgen. Wir können das nacheinander und sogar seinem inneren, letzten Müssen entspricht; als Künstler

gleichzeitig, frei und unbeschwert in unserer Willkür, kein Werk von sich zu geben, das irgendwie aus angc-

Blickt man von irgend einem ruhigeren Standpunkt flogener, vergänglicher Reizung stammt; und so in allem

aus in diesen tollen geistigen Betrieb hinein, so wird sehr dahin zu wirken, daß wenigstens im eigenen Leben keine

unmittelbar gefühlt: Nein, um alle diese Ansichten, Posen und leeren Attrappen mehr stehen bleiben, daß es

Einsichten, um alle diese bloß könnende und wollende überall zur Deckung zwischen Sein und Gebärde kommt.

Intelligenz kann es sich letzten Endes nicht handeln I Was *

kann schließlich eine Ansicht, eine Geistesmöglichkeit Das Zeitalter können wir nicht ändern. Aber jeden

wert sein, sei sie auch noch so glänzend vorgetragen, die Augenblick hinuntertauchen in die Tiefen unseres ein-

den Menschen nicht bindet und festlegt, die nicht aus geborenen Müssens — das können wir I Und indem

innerem Zwang und Müssen gerade dieses wir es tun, sind wir Helfer an der Verwirklichung, Helfer

Menschen wächst, so wie die Blume aus dem Keim? an der Verleihung von Geist und Welt. . . willy frank.

1921. Tl. 2.
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