Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 32.1921

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INNEN-DEKORATION

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PROFESSOR CARL WITZMANN — WIEN WOHN-HALLE IM HAUSE KLEIN—WIEN

RÄUME VON CARL WITZMANN.

Sucht man nach dem Wort, in dem sich das Wesent-
liche der Arbeiten Carl Witzmann's klar aus-
prägt, so wird man wohl als das Charakteristische seiner
Gestaltung die darin zu tage tretende »Haltung« be-
zeichnen können. Eine sehr beruhigte, sichere Art des
Sich-Gebens, — die sich fern von allen Experimenten
hält und in einer gewissen Reserve und Zurückhaltung
sich als Freundin der Eleganz offenbart, — »Haltung«
haben all die Räume und Möbel, sowie die architekto-
nischen (siehe Einleitungs-Beilage) Gestaltungen Carl
Witzmann's. Von seiner ausgedehnten Betätigung auf
dem Gebiete des Wohnungsbaues und der Einrichtung
haben wiederholt Veröffentlichungen in dieser Zeitschrift
Zeugnis abgelegt. . Lichte Wände, viel Weiß auch im
Holzwerk, glatte, polierte Flächen — und als Gegensatz
helle, großgemusterte Druckstoffe; einfache, beinahe
strenge Formen der Möbel, und Beschränkung der Äuße-
rung des Ornamental-Bewegten auf die — im Raum als
wesentlicher Bestandteil klug verteilten — Textilien, . .
das ist auch das Merkmal der in diesem Heft gezeigten
neuen Arbeiten des Künstlers . . Von Interesse ist ein
Einblick in einige der Räume des von Prof. Witzmann
als Schloß-Restaurant ausgebauten »Kaiser-Stöckls« in
Schönbrunn, in dem es galt, aus der Verbindung der Stil-
formen der Schloßräume, der vorhandenen Sitz-Möbel

aus früherer Zeit und neuzeitlichem Gestaltungs-Willen
eine Harmonie und künstlerische Einheit zu schaffen, . .
eine Aufgabe, deren Lösung dem Künstler völlig gelang.

Wie kürzlich in einer anderen Veröffentlichung dar-
getan wurde (siehe Juniheft), hat Carl Witzmann auch
an der Gestaltung und Propagierung eines neuzeitlichen
»einfachen Hausrats« regen Anteil genommen. Seine
Arbeiten in dieser Richtung reihen sich mit als Bausteine
ein in dem Werden der Typen-Formung, die in der
nahen Zukunft eine so große Bedeutung haben wird. . .

Auf der diesjährigen »Wiener Messe« leitete Prof.
Witzmann den Ausbau der Kunstgewerbe-Abteilung.
Im Gegensatz zu anderen Messen wurde auf dieser Messe
als Grundsatz aufgestellt: große Zurückhaltung in den
Formen und Farben der Kojenbauten, und als interessante
Neuerung erhielten die einzelnen Abteilungen der ver-
schiedenen Gewerbe einheitliche Gruppen-Farben.
Im übrigen soll die Ware an sich nach Möglichkeit zur
Geltung kommen. Ein durchaus gesundes Prinzip, mit
dem sich vielleicht nachhaltigere und vom psychologischen
Standpunkt der Kundenwerbung aus wertvollere Eindrücke
erzielen lassen, als durch eine belebtere, temperamentvoller
sich vordrängende Aufmachung der Verkaufsstände . .
Beides aber: Temperament und Zurückhaltung benötigen
wir, um die wahre Intensität wieder zu erringen.. h. l.
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