Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 33.1922

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INNEN-DEKORATION

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architekt dr. oskar wlach-wien

bücherei im wohnzimmer des hauses waller—wien

seinen Wirkungs - Möglichkeiten durch die aufgestellten
Einrichtungs - Gegenstände nichts hinwegzunehmen. —
Was die Form der einzelnen Möbel betrifft, so möchte
ich noch bemerken, daß ich, — soweit man mir Freiheit
ließ, — mich bemüht habe, aus Material und Form für
jedes Möbelstück eine in sich geschlossene Einheit
zu finden, in dem Sinne, daß jedes Möbelstück selbständig
und für sich unabhängig existiert und daher in jedem
Raum und |in jeder Nachbarschaft sofort harmonischen
Anschluß zu finden und sich einzuordnen vermag, ohne
auf eine dazu »passend gemachte« gleichheitliche Um-
gebung angewiesen zu sein . . Ich glaube mich dieser
Lösung am meisten bei den Einrichtungs-Stücken auf
den Seiten 61, 65, 69, 71,75 genähert zu haben. Zu den
weiteren Einrichtungs - Gegenständen: Ofen, Kaminen,
Lampen und dem ornamentalen Beiwerk im einzelnen
mich zu äußern, bieten diese Abbildungen nicht genügen-
den Anlaß. Das Grundprinzip ihrer Gestaltung steht im
Einklang mit den vorstehenden Ausführungen. . . o. w.

DER ZIELBEWUSSTE. Wenn andere fragen »Was
nun?« . . . und den Weg nicht wissen, — hat der
Künstler den seinigen schon gefunden.. robert Walser.

»WERT UND WIRKUNG.«

Notwendig ist, daß man sich über die E r s c h e i n u n g s -
Weise des Wertvollen keine Illusion macht.
Diese liegt darin, daß man glaubt, die wertvolle Leistung
müsse sofort alle überzeugen und anerkannt werden,
während fast durchgängig das Gegenteil der Fall ist. . .
Das liegt in der Natur jeder menschlichen Tätigkeit be-
gründet, ganz gleich auf welchem Gebiete, da der ein-
zelne Mensch, der ein besonderes Gebiet bearbeitet, not-
wendigerweise bei starken Leistungen zu Ergebnissen
kommen muß, welche, den anderen, in anderen Gebieten
Tätigen neu, d.h.meistens merkwürdig, fremd erscheinen
müssen, so lange, bis eben die neuen Ergebnisse Allge-
meingut geworden sind. Wenn es aber endlich soweit
ist, so liegen wieder andere Ergebnisse vor und verur-
sachen dieselben Auswirkungen wie die früheren, in-
zwischen zur lieben Gewohnheit gewordenen . . Diese
Erscheinung ist durchaus nicht bloß auf die sogenannten
»Laien« beschränkt; diese stehen häufig neuartigen Dingen
vorurteilsloser gegenüber als die »Fachgenossen«. Ich
möchte damit keineswegs sagen, daß die Opposition an
sich ein Zeichen der Qualität ist. Jedenfalls ist sie eine not-
wendige Begleit-Erscheinung der Qualität!.. bruno taut.
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