Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 35.1924

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DARMSTADT.

AUGUST 1924.

DER CHERUBIN-PALAST-MÜNCHEN

IM HOTEL VIER JAHRESZEITEN IN MÜNCHEN

Wer heute in den festlichen Räumen des » C h e-
rubin-Palastes«, — den in einen Tee-
raum, Theatersaal und Tanzkasino umgewandelten
früheren Fest- und Konzertsälen des Hotels »Vier
Jahreszeiten« in München,—behaglich seinen Fünf-
Uhr-Tee trinkt, oder bei Musik und schimmernden
Seidenampeln Stunden verträumt, weiß wohl nichts
von den Schwierigkeiten, unter denen diese archi-
tektonische Neuschöpfung für München gewonnen
wurde, von den heftigen Debatten, die noch vor
Halb-Jahresfrist um den Verlust des besten Kam-
mermusik-Saales Münchens stattfanden und von
den Nöten des bauenden Architekten.. Um 10 Uhr
abends rief man den Architekten an: »Können
Sie in der und der Zeit.. ?« Anderen Tages acht-
stündige Sitzung: »Projekt-Vorlage innerhalb acht-
undvierzig Stunden; Umbau-Frist so und so lange.
Muß fabelhaft werden und darf soviel wie nichts
kosten!« . Der Plan gefällt, dann gilt es noch, das
Projekt über die waghalsige Brücke von der
Papier- zur Renten-Mark zu bringen, — so er-
stand das Werk, das trotz aller Schwierigkeiten
so gut vollendet wurde. Die früheren Fest- und
Konzert-Säle des Hotels »Vier Jahreszeiten« bil-
deten eine große Gruppe nebeneinanderliegen-

der Räume, derart, daß durch Öffnen von Türen
und ganzen Wänden ein vielräumiger Komplex
für Feste und Veranstaltungen geschaffen werden
konnte. Die rein räumliche Wirkung war nicht
zum Besten gelöst, trotzdem war der Hauptraum
akustisch einer der besten Konzertsäle Münchens.
Das Umbau-Programm verlangte wesentliche
Änderungen: Zerlegung in viele voneinander un-
abhängige Räume und Raumgruppen: Kabarett,
Trocadero, Bühne und Nebenräume, sowie die An-
lage verschiedener Gruppen von Büros in allen
Stockwerken. Im Hinblick auf die Verminderung
der Besucher-Zahl konnten die Garderobe-Räume
eingeschränkt werden. Das Marmor-Treppenhaus
blieb erhalten und wurde in seinem oberen Teil
mit verschiedenen, den früheren Räumen ent-
nommenen Bestandteilen ausgebaut. Er dient
gleichzeitig als Vestibül und ist mit Radierungen
eines angegliederten Verlages ausgestattet. Der
Hauptraum, der dem Tanz, dem Chanson, dem
Einakter, der Revue gewidmet ist, benötigte ein
versenktes Orchester, Bühne, eine Spielloge, Platz
für den Flügel, Andeutungen von Seitenlogen, und
wie alle übrigen Räume eine gute Verbindung mit
den Hotelküchen. Beste Entlüftung und festliche

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