Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 35.1924

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XXXV. JAHRGANG.

DARMSTADT.

SEPTEMBER 1924.

DEUTSCHE SCHIFFSBAUKUNST

DER LLOYD-DAMPFER .COLUMBUS«.

Der Dampfer »Columbus« des Norddeutschen
Lloyd in Bremen, der nach den beim Bau seines
Schwesterschiffes »Homeric« gesammelten Erfah-
rungen mit den allerneuesten Vervollkommnungen
gebaut wurde und vor kurzem seine erste Ubersee-
Fahrt nach New York glücklich vollzog, darf für
sich nicht nur den Ruhm in Anspruch nehmen, das
größte Schiff der deutschen Handelsflotte zu sein,
sondern seine Innen-Einrichtung muß auch als die
schönste Schiffs-Ausstattung der Gegenwart be-
zeichnet werden. Die Maschinen-Anlagen des
»Columbus« entwickeln 30000 Pferdestärken, die
dem Schiffe eine Geschwindigkeit von 20 Knoten
geben, sodaß die Überfahrt in acht Tagen vollzogen
werden kann. In dem 236 m langen und 25,3 m
breiten Schiffs-Körper sind über dem untersten
Deck neun Stockwerke vorhanden, die zwei Pro-
menaden-Decks, Hauptdeck, Wohnräume mit den
dazu gehörigen Bädern und Toiletten, Gesell-
schaftsräume und Wirtschaftsräume für 1890 Fahr-
gäste in drei Klassen, sowie für 817 Mann Besatzung
umfassen. Die Einrichtung der Gesellschaftsräume
der ersten und zweiten Klasse, wie der behaglichen
Passagier-Kabinen läßt erkennen, daß der mit dem
künstlerischen Ausbau des »Columbus« betraute

Architekt des Norddeutschen Lloyd, Professor
Paul Ludwig Troost der ihm gestellten Aufgabe
in hervorragendem Maße gerecht geworden ist und
mit tatkräftiger Unterstützung einer Reihe von
deutschen Künstlern und kunsthandwerklich lei-
stungsfähigen Werkstätten hier in künstlerischer
und praktischer Hinsicht vorbildliche Raumschöpf-
ungen geschaffen hat, die nicht nur unserer neu-
erstehenden Handelsflotte würdig sind, sondern
auch als kunsthandwerkliche Meister-Lei-
stung im Ausland für deutsche Qualitäts-Arbeit
Zeugnis ablegen werden. — Von eindrucksvollster
Wirkung ist vor allem die stattliche Flucht der
Gesellschafts-Räume der ersten Klasse, die, am
Haupt-Treppenhaus, auf dem oberen Promenaden-
Deck, mit der großen Halle beginnend, durch die
Verbindungs-Räume zur Bibliothek führt, um mit
dem Rauchsalon den Bereich des zweiten großen
Treppenhauses zu berühren. Diese repräsentativen
Gesellschafts-Räumesind,trotzihrer wechselvollen
Gestaltung im einzelnen, einheitlich zusammenge-
faßt. Die Farbengebung steht zur architektonischen
Gestaltung in reizvoller Gegenbewegung, indem
einem Abklingen der Farben-Intensität jeweils ein
Anschwellen der architektonischen Formung ent-

1924. IX. I.
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