Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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INNEN-DEKORATION

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fachklasse
r. obsieger.
wienerberg.
l. holl. ofen

und zu baden, ist zu bemerken, daß sie bedeutender sind,
als viele Menschen glauben. Daß der Reinliche dem Un-
reinlichen, der Frische dem Unfrischen, der Gesunde
dem Kranken, der Gewandte dem Ungewandten über-
legen ist, wird keiner bezweifeln. Ist nun aber solche
Überlegenheit nicht erstrebenswert, zumal sie leicht zu
erreichen ist? Waschen und Baden ist der Beginn jener
Seinskultur, die eine moderne Philosophie so eindringlich
predigt. Wer sich richtig zu kleiden versteht, hat eine
zweite Selbstverständlichkeit für sie gewonnen. Eine
dritte gewährt die Kunst: sich zweckmäßig, sicher und
elegant unter den Menschen zu bewegen. Eine vierte,
nicht minder wichtige: mäßig zu sein in den Lastern der
Zeit: Essen, Trinken, Rauchen! Doch hiermit schießen
wir schon über unser Ziel hinaus; schließen wir also mit
dem Satz eines modernen englischen Weisen, der fol-
genden, nicht unzutreffenden Satz geprägt hat: »Wenn
der Deutsche die Kunst verstünde, seinen Körper bes-
ser zu pflegen und zu üben, und endlich einsehen wollte,
daß es zwecklos ist, bei jedem Schritt bis an den Mittel-
punkt der Erde zu bohren, er würde noch schneller
vorwärts kommen!« .. kuno graf von Hardenberg.

DIE SACHLICHE AUFGABE

Das künstlerische Erlebnis kann sich kraft der charak-
terologischen Eigenart seines Trägers garnicht an-
ders entfalten, als in der Gestaltung zum Kunstwerk,
weil keine andere Bahn ihn zum Ziele führt als diese. Je
absichtsloser im tieferen Sinne des Wortes der Künstler
lebt, desto teleologischer. Nur das kleine Talent kapselt
sich ängstlich ab oder drängt fiebernd nach Anregungen,
immer in Furcht, etwas zu versäumen. Das Genie über-
läßt sich seinem strengen Schicksal, weil es weiß oder
ahnt, daß nur so seine Sendung sich erfüllt. Und es ist
keine passive Hingabe, weil eben dies Leben unter dem
Gesetz bestimmter Kategorien steht. Die heutige Psy-
chiatrie hat gezeigt, wie Selbstzergliederung den Anfang
der Persönlichkeits-Entfremdung und Persönlichkeits-
Spaltung bildet, und daß in leidenschaftlicher Zuwen-
dung an sachliche Aufgaben die Persönlichkeit
sich nicht verliert, sondern erst entfaltet. Gerade dies
gilt vom Leben und Wirken des Künstlers! Wenn
die Lebenswoge ihn zu überschwemmen droht, erhebt
siegend sich die Kraft des Schaffensl . emil utitz.
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