Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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INNEN-DEKORATION



ARCHITEKT G. A. HUFSCHM1D—GENF SCHLAFZIMMER. HAUS.W. R. — W1NTERTHUR

DAS NEUE KUNSTHANDWERK

EIN AUSBLICK IN DIE ZUKUNFT (SCHLUSS) .

Der Handwerker wird sich entweder in die großen Be- nur gedeihen in einer mit Kunst erfüllten Atmosphäre,
triebe begeben müssen, die von Architekten künstle- Der Weg ist bereits beschritten: die moderne Kunst-
risch geleitet werden, oder er wird sich sonstwie mit gewerbeschule, wie sie sich im letzten Jahrzehnt ent-
schöpferischen Künstlern zusammentun müssen, die ihm wickelt hat, ist der natürliche Nährboden des neuen
Entwürfe liefern und die soviel vom Handwerk verstehen, Kunsthandwerks. Nur wo sie so umfassend angelegt ist,
daß sie vom Handwerker nichts Unsinniges verlangen«, wird sie ihre Aufgabe erfüllen können. Wenn ihr die
so führt Dr. Walter Riezler weiter aus. »Auf diese Möglichkeit fehlt, sich auch in der Richtung auf die hohe
Weise wird also das übermächtige Prinzip der Arbeits- Kunst und vor allem auch auf die Baukunst auszubreiten,
teilung, das für die ganze moderne Produktion bezeich- wird sie nicht imstande sein, diejenigen Aufgaben zu
nend ist, auch das einzige Gebiet umfassen, das sich bis- erfüllen, die sich aus der nach einer langen Zeit der Ver-
her noch freizuhalten vermochte. Damit wäre aber das einzelung der Künste nun wieder mächtig sich entwickeln-
Handwerk zu einer dienenden Rolle verurteilt. In man- den Bindung der Künste aneinander und an den Bau er-
chen Zweigen des Handwerks wird dieses Schicksal unab- geben. Der neue Typus der Kunstgewerbeschule ist
wendbar und auch erträglich sein. Andere Zweige können heute noch keineswegs voll entwickelt, aber der Weg
nur gedeihen, wenn sie ihre alte Selbständigkeit wieder zu diesem Ziele ist schon fast überall beschritten.« . .
erringen können. Und das ist keineswegs ausgeschlossen. Der künftige Kunsthandwerker »wird sich von
Es gibt eine Wiedergeburt des Handwerks aus dem dem früheren Handwerker im Typus nicht wenig unter-
künstlerischen Gefühl und dem persönlichen Talent! Aber scheiden. Er wird mehr Künstler sein als dieser, nicht im
sie ist nur möglich auf neuen Wegen. Die alte hand- Sinne höherer Leistung, nur freierer und individuellerer
werkliche Lehre reicht dazu nicht aus. Der neue Kunst- Ausbildung der Persönlichkeit. Er wird den Fragen
handwerker wird von Anfang an in künstlerischem Sinn der Kunst und der ganzen Kultur seiner Zeit bewußter
erzogen werden müssen. Dieser künstlerische Sinn, aus gegenüberstehen. Darin mag mancher eine Schwächung
dem ihm allein noch formende Kraft erwachsen kann, wird der Instinkte sehen; aber die Bewußtheit ist unser Schick-
von Anfang an und ununterbrochen im Zusammenhang sal, dem wir nicht zu unterliegen brauchen, wenn wir sie
mit der hohen Kunst unserer Zeit zu bilden sein. Er kann nur in den Dienst des Fühlens und Schaffens stellen.
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