Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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INNEN-DEKO RATION

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entstanden. Man würde das bei einem Vergleich der
Bilder auch ohne solche tatsächliche Feststellung erken-
nen. Denn hier finden wir wohl auch schon die recht-
winklige Klarheit zum beherrschenden Prinzip erhoben,
aber die zarten Relief-Ornamente der blühenden Zweige
über den Türen und Schrank-Einfassungen bringen noch
ein freieres Element in die Ausbildung der Wände. Auch
das Stabwerk der von innen mit Stoff überspannten
Schrank-Glastüren, in Verbindung mit der dreiecki-
gen Flachnische für den ebengenannten ornamentalen
Schmuck, auch die alten Formen angeglichene Krone
durchbrechen die absolute Strenge. Wir empfinden das
wohltuend, weil es sich ja hier um einen Raum von per-
sönlicher Stempelung handelt, in dem wohl Arbeitsam-
keit, aber doch auch Behagen zum Ausdruck kommen
soll. Die Nußbaummöbel in ihrer schönen Lackierung,
die »Senf«-Farbe der verputzten Wände, der grün-gelbe
Fußbodenbelag und die in Grün, Gelb und Schwarz
gestreiften Bezüge der Polstermöbel bringen diese
Mischung in der Stimmung des Zimmers vorzüglich her-
aus. Das Blumenmotiv der Supraporten, als Symbol
des Geschäftshauses sich zwanglos darbietend, bringt,
zusammen mit den Schweifungen der Sesselarme, der
Tischbeine und der Lichtträger an der Krone, einen an-

genehmen Kontrast gegen die Übermacht der geraden
Linie. Ausgewählte Bilder, wie namentlich über dem
büfettartigen Möbel an der Wand zwischen den beiden
Türen die in heiteren Farben funkelnde Komposition von
Partikel, unterstreichen die Absicht des Architekten.

Aber dann galt es, einen Raum ganz anderer Art aus-
zustatten. Die Firma wollte einen Saal, in dem sie,
wenn die Berliner Geschäfte zur Modenschau laden, ihre
Federn und Blumen an Damenhüten (die sie selbst gar
nicht führt) demonstrieren kann. Das war nun ein Raum,
der rein sachliche Zwecke erfüllen sollte. Alles mußte
mit möglichster Eleganz und Unzweideutigkeit zugleich
auf jenen Zweck hin gearbeitet werden. Paul schnitt
aus einem riesigen freien Raum, der sich durch einen
großen Teil des ganzen Stockwerks zog, einen Teil her-
aus, den er absonderte und — das ist ihm glänzend ge-
lungen — bei aller Neutralität doch intim ausgestaltete.
Von dem hallenartigen großen Lager der Firma gelangt
der Besucher hierher. Die neu aufgeführte Trennungs-
wand, die ihn empfängt, sagt ihm bereits, daß es hier
zu einer Besonderheit geht. Eine stark und streng pro-
filierte Türumrahmung, die den Eingang umzieht, betont
den Punkt, wohin es nun die Schritte zu lenken heißt.
Die breite Wandfläche zwischen dieser Tür und dem
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