Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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XXXVI. JAHRGANG.

DARMSTADT.

NOVEMBER 1925.

LANDHAUS-BAUTEN BEI BERLIN

NEUE ARBEITEN VON OTTO FIRLE-BERUN

Es sind nicht die »glücklichen Zufälle«, denen
ein jüngerer Architekt es verdankt, wenn er
frühzeitig in die vorderen Reihen einrückt. Frei-
lich, sie gehören dazu, als unentbehrliche Mithelfer,
wobei übrigens zu bemerken wäre, daß Glück
haben, ebenso wie Pech haben, eine Eigenschaft
ist, die dem Menschen irgendwie »in die Wiege«
gelegt wird. Das Wesentliche aber ist, daß man das
Zeug hat, die entgegenkommende gute Laune des
Schicksals auch auszunutzen,die Bälle aufzuheben,
die es einem zuwirft. . Von 011 o F i r 1 e darf man
sagen, daß er dazu offensichtlich begabt ist. Immer
wieder werden ihm Aufgaben gestellt, die ein bis-
chen abseits vom Alltäglichen liegen und ihre Be-
sonderheit haben. Und jedesmal weiß er sie mit
reifem Geschmack und guten Einfällen zu lösen.
Das fällt umso mehr ins Gewicht, als Besonderheit
der Fragestellung beim Baumeister und Innen-
architekten auch bedeutet, daß dabei Schwierig-
keiten und Knifflichkeiten mit im Spiele sind. Es
ist stets aufs neue genußreich, zu verfolgen, wie er
diese Hindernisse nimmt.. Die jüngsten Arbeiten
Firles liefern wieder Beispiele dafür. Das »Haus
Dr. Petz in Nikolassee« bei Berlin, das ihm in
Auftrag gegeben wurde, konnte keine der üblichen

Berliner Vorortsvillen werden. Sein Besteller und
künftiger Besitzer war ein Mann von ganz be-
stimmter Eigenart, die ihn von den Bauherren ge-
wöhnlichen Schlages deutlich unterschied. Es galt
hier nicht eigentlich für einen Städter, der hinaus-
ziehen wollte, ein Heim zu schaffen, vielmehr für
einen Mann, der von Natur das Leben auf dem
Lande, in stadtferner Freiheit liebt.. Mit feinem
Gefühl fand der Architekt den Weg und den Stil,
die sich hieraus ergaben. Was er entwarf und aus-
führte, wurde wirklich ein »Landhaus«, das den
Neigungen des Auftraggebers aufmerksam folgte,
und es wurde auf der anderen Seite doch wieder
ein Bauwerk, das sich nicht mit unziemlicher Auf-
fälligkeit dem Charakter der Villenkolonie, in der
es stehen sollte, widersetzte. Die Ansicht zur
Straße beweist sofort, wie Firle diese Elemente
zu mischen und eine Einheit daraus zu bilden ver-
stand. Weit zurück liegt das Haus, vom Bürger-
steig draußen durch einen tiefreichenden Rasen-
teppich getrennt, der von zwei Zugängen, links
einer Einfahrt, rechts einem Weg über frei ange-
ordnete Steinplatten, eingefaßt wird. Man blickt
auf einen Bautrakt mit hohem, sehr landhausartigem
Dachgiebel und hat links davon eine malerische

1925. XI. 1.
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