Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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INNEN-DEKORATION

ARCHITEKT OTTO Fl RLE-BERLIN-HALENSEE HAUS DR. PETZ-NIKOLASSEE. STR ASSENFRONT

Gruppierung: einen angebauten Flügel, rechtwinklig
zur Hauptachse, gleichfalls mit hochgehaltenem Dach,
aber im ganzen niedriger, und zur Seite noch einen klei-
nen, mit Schilf gedeckten Pavillon, so scheint es zuerst,
der frei steht. Dort, im Querbau, öffnet sich ein großes
Tor, also Garage und Angestellten-Wohnung, für Gärt-
ner oder Schofför; hier der Pavillon erweist sich als
Stall für Ziegen und Hühner. Der Hauptzugang, in der
Richtung auf das Garagentor, führt so in eine Art Wirt-
schaftshof, der denn auch nach dem Vordergarten zu
noch durch eine niedrige, von breiter Gattertür unter-
brochene Mauerbrüstung getrennt wird. Von ihm geht es
rechts zum Hauseingang. Mit dem Weiß des rauhen
Bewurfs, den tiefbraunen Dachflächen, den grünen Läden
und dem von Klinkern eingefaßten Doppelbogen des
Garagentors wie der Loggia, die sich zu einer flachen
Terrasse nach dem Rasen hin, nach Süden zu, öffnet
und im Fonds noch eine weiß und grün abgesetzte Tür
zur Diele zeigt, wirkt die in mancherlei Linien-Überschnei-
dungen gehaltene Front, eigentlich die Rückseite des
Hauses, ungemein behaglich, schmuck und einladend.
Die Haupt-Fassade aber ist der Straße abgekehrt, dem
landschaftlichen Anziehungspunkt des Grundstücks zu
gelegen: das leicht abfallende Gelände, durch ein System
mit Kalksteinen auf gemauerter Blumen-Terrassen dem
Hause angepaßt, führt hier zum Ufer des kleinen
Nikolassees. Der Balkon, der sich von der obersten
Terrassenfläche erhebt, bringt noch einen munteren
Farbenton; seine tragenden Pfeiler sind aus abwechseln-

den Lagen von Klinkern und Dachsteinen geschichtet,
das Eichenholz des Balkongitters ist in Rot und Weiß ge-
halten. Der Travertin, der kräftig und schwer das Material
des Hauptgesimses abgibt, stellt auch die Umrahmung
des Eingangs, der den Schlußstein seiner Wölbung zu-
gleich als Laternenträger benutzt. Wir treten in die
Diele (S. 380), eine rechte Landhausdiele. Die Wände
wiederum rauh veiputzt, in gelblichem Weiß. Dazu
gelber Solnhofener Steinboden. Die Bogen der Türum-
rahmungen mit rostbraunen und zinnoberroten Profilen.
Das Treppengeländer aus Schmiedeeisen, wobei einzelne
kleine Details, Blätter oder Bünde, vergoldet sind und
in dem rhythmisch geschwungenen Rankenwerk das »P«
desHausherr- Namens auftaucht; der Handlauf rot lackiert
mit Goldleiste. Von hier geht es in den Hauptraum des
Erdgeschosses, ein Wohnzimmer von beträchtlichen
Maßen (S. 382—385). Ein festlicher, gar nicht all-
täglicher Farbenklang empfängt uns, bestimmt durch den
Kontrast der originellen, von Firle modellierten Stuck-
decke, — welcher der Name »Petz« das Motiv putziger
kleiner Bären verlieb, — mit der warmen, einem alten
Muster nachgebildeten Tapete in matt königsblauen und
schwarzen Streifen, über die goldnes Ornamentenwerk
gesponnen ist. An den beiden Längsseiten zwei Haupt-
punkte : hier der Kamin in glattem Stuck mit profilierten
Leisten, dort der breite Blumeneiker, in etwas hellerem
Blau mit Gold zur Tapete gestimmt. Das benachbarte
Herrenzimmer (S.386 — 387) ist auf den Eindruck ruhi-
ger Geschlossenheit gestellt, zu dem die eingebauten
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