Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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INNEN-DEKORATION

ARCHITEKTEN FERBER & APPEL-MÜNCHEN VORRAUM ZUM BAD IM HAUS KRANTZ

schiebt, — und es erscheint ein Hohlraum, um silberne die zeitweilig wenig oder ganz unbewacht sind, wie außer-

Pokale aufzustellen. Im getäfelten Zimmer verschiebt halb liegende Landhäuser, Schlösser auf dem Lande usw.

sich an irgendeiner Stelle ein Ornament, eine Platte — Sehr wichtig ist es, einen geeigneten Platz für das

dahinter erscheint ein Wandschränkchen. Auch das Tafelsilber zu haben. Es ist erstaunlich, wie leichtsinnig

Deckengetäfel wird gerne zu solchen Scherzen verwen- die meisten Menschen hinsichtlich des Tafelsilbers sind,

det: man besteigt eine Leiter, bewegt einen Zapfen, eine So findet man es meist in einem Speisezimmer zu

Rosette, und schon ist man in der Lage, eine Öffnung im ebener Erde — in dem womöglich noch eine Tür zur

Getäfel herzustellen . . Auch für unsere Zeiten sind Gartenstraße ist — in die Anrichte eingeschlossen,

solche geheime Verstecke noch immer recht praktisch. Kein Wunder, wenn Einbrecher ein leichtes Spiel haben.

Am häufigsten findet man an Geheimverstecken in Klügere Leute haben wohl in der Anrichte auch ein
unserer Zeit einen in die Zimmerwand eingebauten kleinen Panzerschränkchen eingebaut — aber wer einmal ge-
Panzerschrank, für dessen »Übertürung« man ein Bildchen sehen hat, wie schnell kundige Hände mit den modernsten
zu wählen pflegt. Sind diese Einrichtungen auch nicht technischen Hilfsmitteln Panzerschränke »knacken«, der
gerade übermäßig sicher, durch ihre Panzerplatten z win- mißt auch solchen Vorrichtungen keine allzu große Sicher-
gen sie den Dieb immer zu einem gewissen Ritardando. heitbei. Ein Silberschrank oder eine kleine Silberkammer,
Man kann sie natürlich mit Aufwand von einiger Er- ein Geheim-Archiv oder ein Aufbewahrungsort für wert-
fmdungsgabe noch wesentlich versteckter gestalten. . . volle Sammlungs-Gegenstände muß auch zugleich einVer-

So ist ein großer Spiegel, der scheinbar an der Wand steck sein, das schwer, überhaupt nicht zu entdecken ist.
befestigt ist, ein guter Deckmantel für ein Geheimverließ, Wie es freilich einzurichten ist, darüber lassen sich keine
auch an Kaminen sind leicht und geschickt gute Ver- allgemeine Regeln aufstellen, es ist das Sache eines er-
stecke unterzubringen. Man muß überhaupt bei den Ver- finderischen Architekten oder Raumkünstlers, der leicht
stecken zwei Arten unterscheiden, einmal diejenigen, die eine Einrichtung treffen wird, die selbst den Haus-
sich darum nicht finden lassen, weil sie in eine vorhan- angestellten jahrelang verborgen bleibt; eine praktische
dene Symmetrie unmerkbar eingeordnet sind: unter 24 Wichtigkeit, die als Regel gelten kann, ist die, daß dieser
gleichen Tafeln ist eine die Tür eines Wandschränkchens; Raum durchaus trocken ist und Ventilation hat, sonst
ferner diejenigen, die etwas anderes vortäuschen, als würde er unbrauchbar sein! . Man unterschätze den Wert
sie eigentlich sind — sagen wir, ein steinerner Kamin in von Geheimverstecken nicht, — wenn sie Sicherheit
einem Gemach ist im Grunde der Eingang zu einem Ge- geben, gewähren sie auch Sorglosigkeit, und Sorglosig-
heimversteck! Man sollte beide Systeme in einem wohl- keit ist ein angenehmer Hausgast, ein sanftes Ruhe-
aufgezogenen Haushalt verwenden, vor allem in solchen, kissen und ein vortrefflicher Reisegefährte. . . k. g.v.h.
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