Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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Deshalb ift das eigene Haus nicht bloß eine Annehmlichkeit für den Eigen-
tümer; es ift zugleich ein wichtiger Aktivpoften im Ganzen der natio-
nalen Wohnkultur. An ihm (chulen Qch die formenden Kräfte, (chärfen (ich
die Begriffe und entwickeln (ich die Bedürfniffe.

Dies ift der Punkt, wo das Eigenhaus auf die fegensreichfte Weife mit der
Etagenwohnung zufammenhängt: es treibt deffen Entwicklung voran, es fpornt
durch feine freieren Löfungen die Mietwohnung zu immer höherer Verfeinerung
an. In immer fteigendem Maße fehen wir die Mietwohnung zunächft die tech-
nilchen, dann aber auch die äfthetifchen Vorzüge des Eigenhaufes übernehmen:
fo z. B. den Baderaum, die eingebauten Schränke, mancherlei technifchen Komfort,
die Wohndiele, den Kachelofen, die Ausarbeitung beftimmter Raumtypen u. s. f.

So gehen fortwährend vom vorbildlichen Eigenhaus fruchtbare Anregungen
in die ganze Breite unferes Wohnwefens aus. Die Mietwohnung wird da-
durch in den Stand gefegt, in hohem Maße an den Errungenfchaften
der Wohnkultur teilzunehmen. Und damit erft haben die Bemühungen
der Künftler und der Kunftförderer ihr eigentliches Ziel erreicht: jedem die
geiftigen Mittel zum Aufbau eines edel und perfönlich geformten
Heimes in die Hand zu geben.

Das wohldurchgeformte Heim — wir haben es in diefen Blättern immer
wieder als würdigftes Ziel des menlchlichen Strebens dargeftellt. Wir werden
auch weiterhin an der Überzeugung fefthalten, daß (ich mit dem »Heim« hohe
und höchfte Werte verbinden, die auf keine Weife zu erfe^en find. Es
ift der Ausdruck der Seßhaftigkeit, in der (ich bei höchfter Bewahrung der eigenen
Perfönlichkeit die höchfte Einfügung ins Allgemeine vollzieht.

ALEXANDER KOCH
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