Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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INNEN-DEKORATION

PROF-ADELBERT NIEMEYER —MÜNCHEN WOHNZIMMER IN EINEM DE-WE-HOLZHAUS

DER SCHLICHTE WOHNRAUM

ARBEITEN DER »DEUTSCHEN WERKSTÄTTEN« A.-G.

Allen diesen Räumen ist der gemeinsame Grundzug
der echten »Schlichtheit« eigen, sie wollen nicht »reprä-
sentieren«, sie wollen bei der heute geringen Kaufkraft
nur mit den einfachsten Mitteln nicht eine ärmliche,
sondern eine durch wohlproportionierte, wohlgeordnete,
saubere Einfachheit wohnlich wirkende Heim-Atmo-
sphäre schaffen. . In hohem Grade beachtenswert sind
die Raumgebilde von Heinrich Tessenow. Da ist ein
Eßzimmer (siehe Beilage S. 46): ruhige, hellbraun-
gelbliche Wäude, weißlackierte, blaugrau bezogene
Möbel um den Eßtisch, ein Teppich, ein Kristall-Lüster,
— und anstatt einer Ansammlung von weiteren Klein-
möbeln, außer einer Kredenz nur noch drei grünende
Gewächse im hellen Raum, die eine frische und stim-
mungsvolle Atmosphäre scharfen. »Clean and healthy«
würde der Amerikaner sagen! Eine überaus einfache
Lösung, die aber trotzdem bisher hier noch nicht ge-
zeigt werden konnte! . Gleicher Wesensart ist das
Wohnzimmer in Rüsternholz (S. 51) mit braungelben
und grün und gelb gestreiften Bezügen der Sitzmöbel
in der gemütlichen Lese-Ecke.. Mit sehr wenigen Mitteln,
einem von dünner Messingstange gehaltenen, leichten
Wandbehang, ein paar bunten Teppichen, flach gelegten
Betten, die erst zur Nachtzeit Kopf- und Fußkissen er-
halten, und ein paar einfachen Einrichtungstücken wird
in den Schlaf zimmern (S. 48.49) ein durchaus freund-

Es gibt zu allen Zeiten ganz bestimmte Probleme, Ge-
danken-Gebilde und Wunsch-Gebilde, die, wie man
sagt, »in der Luft liegen«, an deren Verwirklichung viele
interessiert sind — und deren Form-Werdung dennoch
oft recht geraume Zeit in Anspruch nimmt. So verhält
es sich auch mit dem Wunsch-Gebilde des »neuzeit-
lichen schlichten Wohnraumes«. Zahllose Arbei-
ten dieser Richtung wurden schon vor Jahren hier
vorgeführt, — aber immer von Neuem meldet sich das
Verlangen nach neuen Beispielen, immer von Neuem
zeigt es sich, daß neue Lösungen trotz der engen Grenzen
möglich sind, die der Aufgabe scheinbar gezogen sind, —
und immer wieder erhebt sich die Frage, wo Raum-Ein-
richtungen dieser Art in möglichst geklärten Typen
beschafft werden können.. Mit einer anerkennenswerten
Intensität konzentrieren sich die »Deutschen Werk-
stätten« A.G.-Hellerau und München in ihrer
Produktion darauf, auf diesem Spezialgebiet das mög-
lichst Vollkommene zu leisten. Im Dezemberheft dieser
Zeitschrift wurde die Einrichtung des »De-We-Platten-
hauses« nach Entwurf von Bruno Paul gezeigt. In den vor-
liegenden Abbildungen werden Wohnräume nach Entwurf
von Prof. Heinrich Tessenow, einige Räume aus »Platten-
häusern« von Karl Bertsch, sowie aus den von den »Deut-
schen Werkstätten« schon seit längerer Zeit hergestell-
ten einfachen Holzhäusern (Ad. Niemeyer) vorgeführt..

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