Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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INNEN-DEKO RATION

»DAS HAUS SPRICHT«

Zwiesprache halten wir in stillen Stunden mit den
Dingen, die uns umgeben. Das Haus, in dem wir
wohnen, blickt uns an, redet zu uns. In tiefschürfende
dichterische Worte kleidet Wilhelm von Scholz das,
was das Haus zum lauschenden Menschen spricht:
»Du hast mich aufgebaut. Tritt in mein Tor. Dir
schweben ernste stille Jahre vor, die du einschließen willst
in meine Mauern. Die Jahre werden fliehn, ich werde
dauern. . Ich werde deine Seele, die nun hier in Gang
und Zimmern wohnen wird in mir, — die von der Straße
mich umfassen wird, mich dunkel werden sehn im abend-
lichen Garten, — in jeder Dämmerung mit Licht erwarten,
wie einen Gast, der in der Fremde irrt. . Indes du lebst,
werd' ich dich altern sehn, wenn Traum um Traum in

mir zu Boden gleitet, die leuchtend noch vor deinem
Auge stehn, und Sehnsucht, die dich bis zuletzt beglei-
tet, stiller von Jahr zu Jahr durch mich hinschreitet. .
Du wirst von mancher Reise wiederkehren, und immer
größer, leerer werd' ich sein. Auf Wand und Büchern
wird der Widerschein von deiner Lampe jeden Abend
währen. Doch immer fremder taucht dein Kopf hinein. .
Und eines Abends spät gehst du zur Tür. Du horchst.
Vergessene Stimmen rufen dir. Du drehst das Schloß.
Du stehst in Nacht und Wind, der durch das Herbstlaub
deines Gartens rinnt, und atmest tief auf, weil in kurzer
Frist du wieder unbehaust, frei, Seele bist . . . Ich bin
zu deinem Einzug heut geschmückt. Du kennst dich nicht.
Tritt ein und sei beglückt!« Wilhelm v.scholz (»dibhäuser€).
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