Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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INNEN-DEKORATION

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john d. clarke, f.r.l.b.a.-eastbourne erker im musikzimmer. haus »>beckford«-sussex

daß sie ein lebensteigerndes Streben, eine helfende Ge- unseren Fall angewendet, heißt dies: ein freier, leich-
sinnung, eine wirkliche künstlerische »Seel-Sorge« be- ter, klarer Innenraum wirkt auf die Triebe des Herr-
tätigt. Man kann den modernen Innenraum, von dem ich schens, des Klarsehens, des Fretheits-Strebens als ein
spreche, mit seinem Gepräge der Freiheit, Leichtigkeit ständiges »richtungsadäquates Erlebens«. Er ist eine fort-
und Helle unter dem Gesichtspunkt dessen betrachten, währende Übung des Freiheitsgefühls, der gesunden
was die heutige Psychologie das verstärkende, weil anläge- Selbstauswirkung, der optimistischen Lebensbetrachtung,
adäquate Erlebnis nennt. . Richard Müller-Freienfels Einen wesentlichen Fortschritt hat daher auf alle Fälle
sagt davon: »Als ersten Typus des Erlebnisses nenne die neuzeitliche Einstellung in der Wohnungskunst ge-
ich den des anläge- oder richtungsadäquaten Erlebnisses, bracht, einerlei, ob die bis jetzt vorgebrachten neuen Raum-
d.h. desjenigen, wo das Erlebte der Anlage gemäß ist, lösungen schon zu dauernden Typen werden oder nicht:
sie daher nährt und verstärkt, wie eine adäquate Nahrung zweifellos wird es sich jede moderne Raumkunst in Zu-
ein physisches Lebewesen nährt und stärkt. Jede unserer kunft gefallen lassen müssen, nicht nur an rein visuellen,
Anlagen braucht zu ihrer Entwicklung solcher adäquaten sondern auch an praktisch - psychologischen, ja
Erlebnisse. . Jeder Grundtrieb des Menschen muß durch ethischen Maßstäben gemessen zu werden, wilh. michel.
adäquate Erlebnis-Situationen hervorgelockt werden, falls ★

er nicht verkümmert oder abgeleitet oder pervertiert wer- F^IE NEUE ARCHITEKTUR ist offen, das Ganze
den soll. Jeder Mensch, in dessen Jugend nicht jeder VJ besteht aus einem Raum, der nach den praktischen
Grundtrieb der Seele an adäquaten Gegenständen ge- Bedürfnissen eingeteilt werden kann. Diese Einteilung
übt worden ist, bleibt je nachdem im Leben später ein findet im Innenraum durch Trennungsflächen, im Außen-
liebloses oder mutloses oder unvorsichtiges Wesen«. Auf räum durch Schutzwände statt. . . . theo van doesburg.

1936. Till. 2.
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