Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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XXX Vll. JAHRG. DARMSTADT. OKTOBER 1926.

MÖBEL UND EINRICHTUNG DER NEUZEIT

ARBEITEN DER WERKSTÄTTEN »HAUS & GARTEN«-WIEN

Die Grundprinzipien der in diesem Hefte ver-
öffentlichten Räume und Einrichtungs-Gegen-
stände aus den Werkstätten »Haus & Garten«-Wien
(Dr. Josef Frank u. Dr. Oskar Wlach) lassen sich
in wenigen Sätzen wiedergeben. Der Innenraum
der Wohnung unserer Zeit unterliegt anderen
Gesetzmäßigkeiten als der vergangener Kultur-
Perioden, — diese Erkenntnis ist heute Gemeinplatz
und ihr ist schon sehr oft Ausdruck gegeben worden.
Sehr selten ist aber aus dieser richtig erkannten
Voraussetzung dieallgemein giltige Schlußfolgerung
gezogen worden! . Das Möbel unserer Zeit hat
leicht und klar erkennbare Zwecke zu erfüllen;
aus diesen Zwecken sind seine Durchbildung und
deren Leitsätze abzuleiten. Der Hausrat hat fast
durchwegs seinen Repräsentations-Charakter ver-
loren, wenigstens ist dies nicht mehr seine wichtigste
Eigenschaft; das Möbel ist nicht mehr Selbstzweck
und verliert deshalb an Masse und Größe, es dient
dem Gebrauch des täglichen Lebens und hat des-
halb bei knappster Form seinen Zweck möglichst
vollkommen zu erfüllen. Wichtigste Voraussetzung
für den im neuzeitlichen Sinn richtigen Gebrauch
ist die »Freizügigkeit« des Hausrats, seine mög-
lichst große »Beweglichkeit«. Die Schwere und Un-

1926. X. 1.

beweglichkeit des Repräsentations- und Prunk-
Möbels historischer Stil-Epochen muß der Möglich-
keit weichen, das Möbel — im Sinne der etymo-
logischen Herkunft des Wortes und im Sinn neu-
zeitlicher Zwecksetzung — zu »mobilisieren«, es
im Raum, der im modernen Wohnhaus verhältnis-
mäßig knapp bemessen ist, leicht und zweckmäßig
zur Aufstellung — auch zu wechselnder — zu brin-
gen. Hand in Hand damit geht das Erfordernis
»wohnhygienischen« Charakters, nämlich: das
Möbel, wo es nur möglich ist, vom Erdboden los-
zulösen und so zu gestalten, daß seine Wartung und
Reinigung ohne überschüssige Kraftanstrengung,
unter Schonung von Boden und Wand, auf das
Einfachste zu erledigen ist. Diese technische Be-
dingtheit prägt den neuen Gegenständen ihren
Form-Charakter auf. Das Drückend-Schwere, Un-
verrückbare des Möbels vergangener Epochen,
auch der Jahrzehnte offener und verhüllter Stil-
Imitation, weicht dem Unbeschwerten, Freizügigen
eines den Erfordernissen neuzeitlicher Menschheit
angepaßten Formbildes, der es nicht gegeben ist,
in dem Maße wie einst, dauernd an einer Stätte zu
ruhen. . Die Zeit der einheitlichen, »kompletten«
Einrichtung ist vorüber, in der man fix und fertig
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