Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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INNEN-DEKORATION

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HAUS ARTHUR HAUTH-DDSSELDORF BLICK IN DAS SPEISEZIMMER MIT KAMIN

DAS HAUS EINES SAMMLERS

RÄUME AUS DEM HAUSE ARTHUR HAUTH

Zu'allen Zeiten stand neben dem Typ des kräftig vor
sich hinlebenden Gegenwarts-Menschen der Typ des
Menschen, der sich geschichtlich begründet fühlte und
daher ein bestimmtes, ehrfürchtig-freudiges Verhältnis zum
Vergangenen hatte. . Diese beiden Menschentypen sind
durchaus keine »zufälligen« Bildungen. Sie entsprechen
zwei verschiedenen, in jedem Menschen vorhandenen Sei-
ten des menschlichen Wesens. Die eine fühlt sich »neu«
und unbedingt jung und einmalig, die andere spürt das
»Erbe« der Vorfahren, weiß sich bedingt durch Blut und
Brauch. Der »Sammler« alter Kunst entsteht aus dem
Vorwalten dieser letzteren Wesens-Schicht. Der Sammler
ist eine Sonderart des Vergangenheits-Liebhabers, er ist
der praktische Historiker; er ist der Mensch, der in alter
Schönheit den Glanz eines höheren, den Wertschwank-
ungen entrückten Lebens findet. Sicherlich nämlich ent-
steht das Verhältnis zum Vergangenen gerne aus dem
Bedürfnis, mit festen Werten, mit einem volleren Dasein
Fühlung zu haben. Nicht nur als »Vergangenes« zieht das
Alte solche Personen an, sondern als ein Höheres, das
sich noch dazu dem Fassungs-Vermögen des Menschen
relativ mühelos darbietet, weil der Blick für seinen Reiz
und Wert nicht durch zu nahen Abstand beeinträchtigt
wird. Der Sammler zieht das als wertvoll anerkannte
Vergangene in sein eigenes Leben, um dieses zu steigern.

Hieraus haben sich schon oft für die Innenausstattung
interessante Aufgaben ergeben. Eine »Sammlung« alter
Kunst in einer Wohnung unterzubringen heißt: zwei
völlig verschiedene Welten ineinanderschieben. Es heißt,
aus Vergangenem eine Gegenwart aufbauen, einem aus
Betrachtung entstandenen Material einen aktuellen Lebens-
wert verleihen. . Auf vorsichtige, gute Art ist eine solche
Aufgabe im Hause Arthur Hauth-Düsseldorf gelöst
worden. Soviel als möglich sind die alten Gemälde (deut-
sche, flämische, niederländische, italienische Frühkunst),
die Waffen, die alten rheinischen Möbel (z. B. im Schlaf-
zimmer (S. 361, 363), ein rheinisches Bett aus dem Jahre
1518, an der Wand gegenüber zwei Originalfiguren von
Multscher und »Ecce Homo« von Lucas Cranach d. Aelt),
die frühen persischen Teppiche und die Wandbehänge (der
Gobelin im Treppenhaus: »Parkszene« ist aus der Zeit
Louis XIV.) in den Dienst eines lebendigen Wohnungs-
Zusammenhanges gestellt worden. Wir stehen nicht in
einem »Museum«, sondern in Wohnräumen; aber in
Wohnräumen, in denen bedeutende Einzelheiten den Blick
fesseln, in denen Waffen zum Vitrinenschmuck, Altarteile
zum Wandschmuck, museale Teppiche zum Bodenbelag
werden. Hat das, was hier geschaffen wurde, mit dem
»modernen« Wohnraum auch wenig zu tun, so zeigt es
docheineguteLösungeiner»Spezial-Aufgabe«. . O.L.

193«. XI. I.
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