Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 37.1926

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INNEN-DEKORATION

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ERICH NASCH & FRITZ MARSO-WIEN VORRAUM. NISCHE FÜR KLEIDER-ABLAGE

DIE MIETHAUS-WOHNUNG

FORDERUNGEN DER NEUZEIT

Man ist heute noch vielfach ungehalten über die Zierat angefüllt werden; denn je mehr Unnützes sich darin
schlichten neuen »Zinshaus-Bauten« der Ge- befindet, desto weniger lassen sie sich benützen. Alles
meinde Wien, — weil ihre Wohnungen nicht den Eindruck muß in angemessenem Maßstab sein; nur das Notwendige
von Prunk-Wohnungen erwecken. Aber schon die nächste sollen die neuen Wohnräume enthalten, um mehr Luft-
Zeit wird zeigen, wie außerordentlich zufriedenstellend und Bewegungs-Raum dem Menschen selbst zu lassen. .
sich diese neue Bauart von Zinshäusern erweisen wird, In diesem Sinne soll nun eine Miethaus-Wohnung
in denen nicht mehr versucht wird, etwas »vorzutäuschen«, adaptiert werden. . Zuerst muß die stumpfsinnige Anlage
— und wie sich ihre Bewohner wohlfühlen werden, im der Türen reguliert werden. Kolossale Doppelflügeltüren,
Vergleich zu den früheren Wohnverhältnissen! . . Für die in der Mitte der Wände angebracht, meist den Raum
diese neue Miethaus-Wohnung gelten vor allem folgende in zwei Teile reißen und ein angenehmes Sitzen unmög-
Grundsätze als Richtlinie: Räume, Türen und Fenster lieh machen, werden durch einfache Türen dort ersetzt,
dürfen keine Dimensionen annehmen, die für »Gesell- wo sie durch den Gebrauch der Räume bedingt sind. .
schaftsräume« entsprechend wären. Wir brauchen heute Die Fenster sind leider unabänderlich durch die Außen-
keine 4 m hohen Gesellschafts-Räume, die nur zu be- fassade gegeben. Gegen ihre schablonenmäßige Holz-
sonderen Anlässen ihre Türen öffnen, keine Doppelflügel- Verkleidung hatten die meisten Mieter immer schon eine
türen, die nie ganz geöffnet werden, und auch keine ganz natürliche Abneigung, — ohne daß es ihnen klar
Reitschulen von Vorräumen, die auf eine Flucht der zum Bewußtsein gekommen wäre; sie halfen sich durch
großartigsten Zimmer vorzubereiten scheinen. (Es ist hier die so beliebte »Draperie«, — die das Übel, statt es zu
nur die Rede von jenen Wohnungen, die heute die große beseitigen, fast noch verschlimmerte. Der Architekt oder
Mehrzahl innehat, — nicht von solchen, die aus vielleicht Baumeister bemühte sich auch niemehr, für diesen Übel-
zwanzig oder mehr Räumen bestehen.) Wir brauchen stand eine bessere Lösung zu finden. Es gibt ja Draperien
heute Mietwohnungen, in denen wir unser Leben auf die — wozu also etwas ändern, das immer schon so war? .
bequemste und reibungsloseste Art verbringen und in All dies muß bedacht und nach Möglichkeit verbessert
denen wir uns wohl fühlen können. . Die Räume dürfen werden, bevor an das Einrichten, das An- und Ein-
ferner nicht mehr mit allem möglichen und unmöglichen passen der Möbel geschritten werden kann. Hier empfiehlt
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