Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 39.1928

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INNEN-DEKORATION

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I

PROFESSOR AHTON H ANAK-WIEN PLASTIK: »DIE SCHWEBENDE«

DER GEIST DES NEUEN WOHNENS

VON ALEXANDER KOCH

(Schluß)

ch habe bereits darauf hingewiesen, daß sich in den wählt man für ihn die niedrige Form, etwa in Höhe von
Dingen der Innen-Einrichtung, besonders des Mobi- 53 cm. Das empfiehlt sich besonders für Teezimmer,
liars, ein gewisses grundsätzliches Umdenken vollzogen Hallen und Gesellschaftszimmer, weil sich um den nied-
hat. Wer in meinen Zeitschriften und Werken die Ab- rigen Tisch viel leichter Gruppierungen bilden und weil
bildungen neuer Raumschöpfungen anschaut, wird sich bei ihm das Handhaben von Tassen, Gläsern, Aschen-
sofort wahrnehmen, daß in der Möblierung ein neuer, ein bechern usw. weit bequemer vollzieht. Ein hoher Tisch
freierer Geist herrscht. Es gibt da kein Vollstopfen bannt die Menschen fest, ein niedriger erlaubt freie Hal-
der Zimmer mehr, das jeden Weg versperrt. Es liegt tung und Bewegung. Und so wird im allgemeinen die
etwas Leichtes, etwas Heiteres in diesen Räumen. Man knappe Gestaltung, dieleichte, schlanke Stütze bevorzugt;
sieht: sie sind auf Menschen eingestellt, die sich frei und ja man kann sogar bemerken, daß die Möbelflächen selber,

ungehindert bewegen wollen.............. wo es angeht, aufgelöst werden. Die Glasscheibe auf

Früher gab es fast so etwas wie eine »Angst vor dem niederen Tischen ist beliebt, die Rückwand von Sessel

Raum«, vor der Wand. Man fürchtete jedes Stück freie und Sofa wird gerne als Gitter gestaltet.........

Bodenfläche, man stellte und hängte die Wand mit ★

Möbeln und Bildern nach Möglichkeit zu. Heute schafft Wenn man will, kann man den Unterschied gegen

man in den Zimmern Raum für den freien Schritt. Heute früher so formulieren: früher bauten wir in unseren

läßt man eine freie Wandfläche, wo es nötig ist, sich Möbeln eine objektive, bestimmte, oft schwerfällige

ruhig ausschwingen: als eine Art Horizont für die Welt Sachenwelt auf, in die wir uns selber zuletzt als Gäste

der Möbel. In den Möbeln selbst sucht man nicht mehr hineinsetzten. Heute wollen wir freie und souveräne

so eifrig wie früher die hohen und massigen Schrank- Herren dieses Möbel - Apparates sein und bleiben; wir

formen. Man kommt bei gutem Willen recht wohl mit wollen nicht von ihm erdrückt oder bloß so geduldet

niederen und leichten Formen aus: auch im Speise- werden, wir verlangen von ihm schweigsame, geschmack-

zimmer, wo zum Beispiel die breitgedehnte, niedrige volle Bedienung in höflichen und gewandten Formen,

Kredenz die hohe, pompöse Büfett-Form vielfach ver- nicht mehr. Vor einigen Jahren noch stand zum Beispiel

drängt hat. So ist es auch beim Tisch. Wo es angeht, der schwere Klubsessel in Gunst, der Sitz-Elefant, in den

1928. II. t.
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