Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 39.1928

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INNEN-DEKORATION

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Arbeit des Verlags- Hauses Koch erfaßt. Die Ansprache
klang aus in einer Bekundung der Solidarität zwischen dem
Chef des Hauses und allen Mitarbeitern als unerschütter-
liche Grundlage aller weiteren Arbeit. Ihren sinnfälligen
Ausdruck fand diese Gesinnung in einer Gabe an den
Chef, einer Lederkassette, die eine Adresse und die Bild-
nisse aller Mitarbeiter und Angestellten sowie Aufnahmen

der Verlags - Räume enthält...............



Im Namen der Stadt Darmstadt überbrachte Ober-
bürgermeister Dr. Glässing die herzlichsten Glück-
wünsche und überreichte die Medaille der Stadt Darm-
stadt mit einer Adresse: »Mit Genugtuung können Sie
an diesem Tage auf ein Lebenswerk zurückblicken, das
seine stolze Entwicklung Ihrer Tatkraft verdankt und in
Ihnen sein geistiges Oberhaupt hat. Auch die Stadt
Darmstadt hat allen Anlaß, stolz darauf zu sein, daß sie
in ihren Mauern ein solches Unternehmen von Weltruf
beherbergt, das nicht zum wenigsten Anteil daran hat,
wenn ihr Name als Kunststadt und Stätte moderner

Wohnkultur weithin genannt wird.«...........



In besonders herzlichen Wendungen sprach Graf
Hardenberg im Namen des Großherzogs Ernst Ludwig.
Zwei Tage sind es, so führte er aus, die für Darmstadt
und das ganze Land mit Hinblick auf die Kunstpflege
von Wichtigkeit wurden. Der eine war der, an dem
Alexander Koch seinen Verlag begründete, der andere
der, an dem Großherzog Ernst Ludwig die Künstlerkolo-
nie ins Leben rief und die Worte sprach: »Mein Hessen-
land blühe und in ihm die Kunst!« Graf Hardenberg
betonte, daß sein fürstlicher Herr die Tätigkeit des Ver-
lags Koch stets mit größtem Interesse verfolgt und in ihm
das Sprachrohr, das wichtigste Instrument seiner eigenen
kunstpflegerischen Ideen erblickt habe. Ohne die Koch-
schen Zeitschriften würde Darmstadt nie diesen Ruf als
Kunststadt erhalten haben. Als Zeichen der Anerken-
nung des Großherzogs überreichte er dessen neuestes
Bildnis mit Namensunterschrift..............

Auch aus den Reden der anderen Glückwünschenden
klang immer wieder, neben der Anerkennung der mit
Recht von einem Redner »monumental« genannten Le-
bensleistung des Jubilars, der Ton warmer persönlicher
Verbundenheit heraus. Alerander Koch brachte, sicht-
lich bewegt, seinen Dank und seine Freude über das
Gehörte zum Ausdruck. Die Gefühle der Solidarität,
die ihm von seinen Mitarbeitern entgegengebracht wur-
den, erwiderte er mit gleicher Herzlichkeit.......

FEST-ABEND

Am Abend fand dann im großen Saal der Vereinigten
Gesellschaft ein »Geselliges Zusammensein« statt.
Alexander Koch jr. hatte den Saal in außerordentlich
wirksamer Art geschmückt. Die eine Hälfte umschloß
die Festtafel für etwa 70 Teilnehmer, die andere war in
einen Kabarettraum umgeschaffen. Dieser Raum mit sei-
ner »Bunten Bühne«, den roten Ecklogen und dem großen
Tanzparkett bot den Kabarett - Darbietungen und dem
Gesellschaftstanz einen sehr günstigen Rahmen. Der
Jubilar begrüßte mit herzlichen Worten die Erschienenen
und wünschte heitere Stunden bei leiblichen und geistigen
Genüssen. Nach der Tafel begann die Reihe der Kaba-
rettdarbietungen, aus dehnen zu entnehmen war, wie
erstaunlich vieles an künstlerischen Begabungen im Per-

sonal des Verlags Koch lebendig ist. Ein geistreich
ironisches und charmantes »Streitgespräch unter
den vier Zeitschriften« des Jubilars, von Wilhelm
Michel verfaßt, und von vier Damen mit bemerkens-
wertem Talent und Temperament dargestellt, fand leb-
haften Beifall. Besonders erheiternd wirkte die getreue
Maske des Jubilars, die in der Schlußszene die Bühne
betrat. Die in ihrer stilsicheren Führung höchstge-
lungenen Kostüme waren von den Damen des Verlages
hergestellt worden. Ein »Expressionistischer Tanz«,
sowie die musikalischen Darbietungen, mit denen Damen
und Herren des Verlags hervortraten, erwiesen hohe
Begabung und reifes Können. Das Fest nahm einen außer-
ordentlich harmonischen Verlauf.............

BANKETT

Am 7. Januar fand im Hause Alexander Koch als
Ausklang und Höhepunkt der Jubiläumsfeier eine fest-
liche Zusammenkunft statt, zu der namhafte Künstler und
bedeutsame Gäste aus dem Kreis der Freunde des Jubi-
lars geladen waren. Ein Herren-Bankett vereinigte
die etwa 30 Gäste. Man bemerkte unter den Erschienenen
u. a. Generaldirektor Prof. Bruno Paul, Prof. Heinr.
Straumer aus Berlin, Fritz August Breuhaus, den
Erbauer des Kochschen Hauses, den Berliner Architekten
Rachlis, den Architekten Prof. Vetterlein an der
Hochschule Hannover, Graf Hardenberg. Sehr wesent-
lich trug es zur Erhöhung der Feier bei, daß auch der
zuletzt regierende Großherzog Ernst Ludwig an
ihr teilnahm als derjenige, der in Darmstadt wesentliches
zur Förderung der Künste geleistet hat und der auch den
Bestrebungen Alexander Kochs von jeher mit Aufmerk-
samkeit gefolgt ist. Die schönen Räume des Hauses Koch
mit ihrer kunstfrohen Stimmung und kultivierten Behag-
lichkeit gaben dieser intimen Feier einen denkbar besten
Hintergrund........................

In einer Ansprache betonte der Jubilar, es seien schöne
und gewaltige Erinnerungen, die ihn und sein Lebenswerk
mit der großen Kulturtat verknüpfen, die der Großherzog
durch die Gründung der Künstlerkolonie vollbracht
habe. Ohne das, was der Landesherr für die deutsche
Kunst und das deutsche Kunstgewerbe um 1900 getan
habe, hätte die Erneuerung der gewerblichen und künst-
lerischen Form nicht die stolze Entwicklung und den
Welterfolg gefunden, die wir miterlebt haben. Die Kunst-
welt werde dem hessischen Großherzog diese seine Tat
niemals vergessen.....................

In einer kurzen Entgegnung führte der Großherzog
aus, er wolle nicht als das gelten, was man einen Kunst-
mäzen nennt. Er habe das immer abgelehnt. Sein ganzes
Verdienst bestehe darin, daß er den Künstlern gesagt
habe: » Schafft und formt das, wozu der Geist euch treibt.«
Er habe ihnen lediglich freie Bahn gelassen, und daraus
sei alles Gute entstanden, was sich daran geknüpft habe.
Die von echter Bescheidenheit und von einem tiefen Sinn
für die Lebensbedingung der Kunst getragenen Worte
des Großherzogs wurden von der Versammlung freudig
aufgenommen. — Provinzialdirektor Dr. Kranzbühler
schloß sich an mit einem in markigen Worten gehaltenen
Glückwunsch für den »Eigner dieser herrlichen Räume,
den Schöpfer von soviel unendlich Schönem aus dem
goldenen Born der Kunst, Schöpfer gewiß auch in dem
Sinn des selber schaffenden Kunstfreundes, Schöpfer aber
auch in dem Sinn des vom göttlichen Funken berührten,
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