Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 39.1928

Page: 145
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1928/0168
License: Free access  - all rights reserved Use / Order

0.5
1 cm
facsimile
INNEN-DEKO RATION

145

architekt carl müller—köln gartenzimmer im haus c.-köln

KORPERHAFTIGKE1T UND RUHE

zu arbeiten von arch. carl müller-köln

Ruhe und Bewegung, Statik und Dynamik, Verkörpe- läge bilden, blühen Farbe und Dekor entspannt und sinnen-

rung, Verdichtung und Entmaterialisierung — diese freudig auf. Die farbigen Raum - Entwürfe von Carl

Gegenkräfte sind immer und überall gleichzeitig am Werk Müller sind bekannt. Gliederung und Bewegung des

und treten somit auch in der Raumkunst, zu unserer Zeit Raumes finden in der Farbe ihre Resonanz und oft wird

mehr als in früheren Zeiten, augenfällig in die Erscheinung, die Farbe wichtiger Bestandteil der Raum-Wirkung. So

Welche der beiden Energie-Richtungen jeweils vorwiegt, hat das Wandbild im Treppenhaus C. nicht nur einen

das hängt von der Wesensanlage und Einstellung der dekorativen Sinn, es hilft die Belastung des Aufrisses

jeweiligen Menschen ab; und da das Verhältnis zwischen durch die Tür-Einschnitte mildern und ausgleichen, die

»Statikern« und »Dynamikern« im großen und ganzen gewünschte gleichgewichtige Verteilung erreichen. Die-

wohl ein einigermaßen konstantes ist, so werden die ses Gleichmaß für den Eindruck finden wir auch im

Eigenschaften der Ruhe, Körperhaftigkeit und Symmetrie Arbeitszimmer, wo die Nische im mittleren Feld des

im Wohnraum ihre Geltung ebenso behalten, wie die Schrankes zum ruhenden Pol in der Vielheit: Kamin,

Erscheinungsweisen der entgegengesetzten Tendenzen. Felder, Schranktüren wird. Die einfache und lichte

★ Ordnung in diesen Räumen, die intime räumliche Ge-
Die Arbeiten des Architekten Carl Müller-Köln schlossenheit sind eine Bestätigung dessen, daß das Ein-
sind ihrem ganzen Charakter und ihrer Durchbildung nach zelstück, wie auch das Raumganze hier als empfundenes

unschwer als zu der statischen Gestaltungswelt gehörend und organisiertes Gebilde gebaut ist.........f.

zu erkennen. Die Möbel und Gegenstände haben ihren ★

körperhaften Wert, ihren Ausdruck, ihr Gewicht im Raum, T~^\AS ELEGANTE Leben ist, nimmt man das Wort

sie geben Maßstäbe, sie kommen auf dem Fußboden | J nur weit genug, die Kunst, die Ruhe zu beleben.

D

und vor der Wandfläche »zur Ruhe«, finden immer ihren Alles, was die Sucht zu sparen sehen läßt, ist unelegant,
natürlichen Stand. Die gleiche Grundeinstellung gilt Tatsächlich ist die Sparsamkeit ein unumgänglicher Fak-
für die Verhältnisse der Flächen zu den Öffnungen, tor unseres Lebens, sie ist der Nerv jeder guten Ver-
den Fenstern, Nischen und Türen im Raumgebilde, waltung, — aber sie ähnelt dem Ol, das geschmeidig
Bei so geformten Arbeiten, in denen die ausgeglichene macht, die Räder einer Maschine gut laufen läßt, — man
räumliche Maßzahl, die ruhige Gliederung die Grund- darf es weder sehen noch gar riechen.....balzac.
loading ...