Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 39.1928

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INNEN-DEKORATION

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ARCHITEKT FRANZ RE1SKY-STUTTGART BLICK ZUR SOFA WAND IN EINEM HERRENZIMMER

tenden Rationalisierung und weiterhin steigenden Aus- >>DIE VORAUSSETZUNG«
scnaltung der Arbeitenden durch die Maschine aner-
kannt. Was noch nicht anerkannt ist, das ist die Kon- \V/as drückten die Möbel unserer Väter zunächst
zentration der Kaufkräfte auf Qualitätsprodukte. . W aus?«, — schreibt Arch. Dipl.-Ing. F. Kramer in

★ der »Baugilde«: — »Wiederholung entliehener histo-
Jede Propaganda, die unter den besitzenden Klassen rischer Stil-Elemente. . Diese zeitliche Unstimmigkeit

für den Kauf von wertvollen Dingen eintritt und unter zeigte auch die Unsicherheit, mit der die Stile nachge-

den Massen der Konsumenten Sinn für irgendwelche ahmt und zu »persönlichen« Wohnungen zusammenge-

schöpferische Auffassung der Dinge weckt, wirkt in stellt wurden. Der Zwang der Billigkeit, die Tendenz

der notwendigen Richtung des produktiven Neuaufbaus, nach oben führte zudem zu einer Pseudo-Eleganz, die

★ etwas an Qualität und persönlichem Geschmack vor-
Wie wird es geschehen, daß der Besitzende seinen täuschen wollte, was gar nicht bestand. Der Individualis-
Uberfluß nicht mehr ins Wertlose, die Masse ihre »ge- mus der bürgerlichen Wohnung war ein »Schein-Indivi-
hobene Massenkaufkraft« nicht mehr in billige Massen- dualismus«. Was darüber hinaus an persönlichem Ge-
artikel werfen wird, die man übermorgen bei ungestörter präge vorhanden war, hatte meist mit der Auswahl und
Wirtschaft beinahe umsonst kaufen kann?....... Zusammenstellung dieser ornamentierten Möbel gar nichts

Das Problem ist: wie vollbringen wir das Wunder, mehr zu tun. . . Es ist ein reaktionäres Märchen, das
daß die Millionen, die heute als verdorbene Käufer Formproblem der Typisierung als reinen Schematismus
höchstens das Erträgliche, niemals aber das Hochquali- und Verarmung zu bezeichnen, bei dem jede persönliche
fizierte erstehen (und darum nur einen erträglichen und Note von vornherein ausgeschlossen wäre. Die Qualität
manchmal kümmerlichen Durchschnitt von Qualität, aber der Materialien und ihre zweckdienliche Zusammen-
immer nur im Rahmen einer verarmten Lebenskunst för- Stellung schaffen überhaupt erst die Voraussetzung zu
dern, nur einer mittelguten Massen-Produktion den Im- einem neuen Stile, der unserer Zeit entspricht. Es
puls geben) auf einmal mit vermehrten Mitteln als Käufer gibt heute nur ein modernes Stilproblem, das die moder-
auf dem Markte für Qualitäts-Arbeit auftreten? . . nen ökonomischen und technischen Voraussetzungen
Dr.a.fankhauser(ind.zhitschä.>individualitXt«amalthea-verl.-zürjch). erfüllt — oder aber ein Chaos historischer Art.« . . K.
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