Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

Page: 221
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/innendekoration1933/0235
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
JOSEF BEROER, MARTIN ZIEGLER

VORRAUM IM NEBENSTEHENDEN HAUS

BAUTEN UND INNENRÄUME

DER ARCHITEKTEN BEROER UND ZIEGLER

Die neuere Architektur ist in deutlicher Wandlung
begriffen. Das überspannte Ideal der Sachlichkeit
ist fragwürdig geworden. Der engen und engstirnigen
Theorie müde, bekennen sich die echten Talente zu
einer freieren Stilauffassung, die allen Diktaten miß-
traut. Man beginnt zu erkennen, daß es vergnüglicher
ist, in Häusern zu wohnen, statt in Ideen. Man be-
lächelt den tödlichen Ernst der Bilderstürmer und
jenen sonderbaren Rausch, den die Architektur aus
trockenster Abstraktion zu ziehen verstand. Die le-
bendige Architektur ist daran, das verlorene sinn-
liche Element und damit jene Heiterkeit wiederzu-
gewinnen, deren jede Kunstentwicklung bedarf, um
wahrhaft fördernd zu wirken. Solcher Auffassung
kommt die neue Wiener Architektur entgegen, zu
deren markantesten Begabungen die Architekten
Josef Berger und Martin Ziegler zählen.

Die Abbildungen auf Seite 220, 221 und 225 geben
das Haus eines Wiener Arztes wieder. Es wendet
der westseitigen Straßenfront eine beinahe fensterlose

1933. VII. 1

Fläche zu. Auf dem mit Contex behandelten Sockel
ruht der hellgelb verputzte Mauerkörper. Mit Jura-
kalkplatten gepflasterte Stufen führen zum Vorplatz,
dessen räumliche Abgeschlossenheit durch eine blau-
gemalte Decke betont ist. Eine Glaswand in Eisen-
konstruktion schützt gegen Westwind und Regen
(Abb. S. 220 unten). Eine Eichentür mit Verkleidung
aus weißem Marmor führt in den Vorraum (Abb.
S. 221). Die Wände und die niedrige Decke (über der
sich ein Kofferraum befindet) sind mit bedrucktem
Leinen bespannt, der Boden mit Jurakalkplatten ge-
pflastert, die Holzteile weiß lackiert. Der vorsprin-
gende W.-C.-Vorraum und ein eingebauter Mantel-
kasten bilden Nischen für Kleiderablagen. Die einan-
der gegenüberliegenden Türen tragen Spiegel.

Durch die Diele erreicht man den langgezogenen
Wohn- und Speiseraum, der sich mit breiten Türen
auf eine teilweise gedeckte Terrasse öffnet (Abb.
S. 220 oben). Im ersten Stock liegen zwei Schlaf-
räume, Kinderzimmer und Bad. An der Nordseite
loading ...