Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

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INNEN-DE KORATI ON

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OTTO ROTH
SCHLAFRAUM
PEDD1GROHR-
FLECHTWERK

ALTE MÖBEL IN NEUER RAUMGESTALTUNG

Die Raumgestaltung ist eine ständig wechselnde,
mit der Zeit gehende, während sich die alten
Möbel immer gleich geblieben sind. Auch in einem
neuzeitlichen Raum läßt sich natürlich ein reines
Stilzimmer, gleich welcher Epoche, aufstellen. Aber
das ist hier nicht die Frage, sondern vielmehr die:
lassen sich alte Originalmöbel mit modernen Möbeln
glücklich in einem neuzeitlichen Raum vereinigen ?

Diese Frage ist grundsätzlich zu bejahen, womit
nicht gesagt sein soll, daß ein Möbelmagazin mit
einem Durcheinander alter und neuer Stücke den An-
spruch hat, Wohnung genannt zu werden, denn eine
Wohnung soll vor allem wohnlich sein! Seit der
Biedermeierzeit, die den letzten in sich einheitlich
geschlossenen Möbelstil des 19. Jahrhunderts hervor-
brachte, hat sich übrigens sowohl der alte Teppich
als auch besonders das gute alte Bild nie mehr ganz

aus dem modischen Wohnraum verdrängen lassen.
In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hat
man dann sogar des Guten reichlich zu viel getan.
Wo es die Mittel zuließen, waren die Fußböden mit
Teppichen, Brücken und Verbindern direkt über-
lagert, und an den Wänden reihte sich wie in einer
Briefmarkensammlung Bild an Bild. Die klare Wir-
kung eines in sich schon schönen Gegenstandes wurde
so gut wie aufgehoben, und sogar für damalige Zei-
ten musterhafte Räume der Ära Lenbach-Kaulbach
schwelgten in einer Pracht und Überladenheit staub-
fangender Draperien sowie in einer Art betonter
schummriger Finsternis, wie man sie vom heutigen
Standpunkt aus nicht mehr vertragen würde.

Was jetzt in erster Linie gefordert wird, ist eine
helle freundliche Wohnung, die den Grundsätzen der
Hygiene entspricht, vor allem aber den Bewohner auf-
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