Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

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INNEN-DE KOR AT ION 279

WOCHENENDHAUS AM WANNSEE

BLICK VOM GARTEN NACH OSTEN

EIN NEUES WOCHENENDHAUS AM WANNSEE

ARCHITEKT PROFESSOR FRITZ AUGUST BREUHAUS

Die reizende kleine Wochenend-Zufluchtsstätte,
die Professor Fritz August Breuhaus am Wann-
see bei Berlin für einen kunstfreundlichen Jung-
gesellen baute, stellt einen neuen und völlig origi-
nellen Typ dieser modernen Gattung dar. Man könnte
sagen: das Prinzip des einfachsten Gehäuses einer
sommerlichen Landsiedlung bescheidenster Art ist
hier zu elegantestem Ausdruck gebracht. Praktischer
Sinn und reifer Geschmack reichten sich dabei die
Hand, holten sich die besten Materialien zu Hilfe und
stellten sich unter das Gesetz einer technischen Prä-
zision, die den sportlichen Charakter des Bauwerks
unauffällig betont.

Im weiten Park einer der ältesten Besitzungen am
Wannsee hat sich das Sonntagsquartier unter dem
Schutz großartig aufrauschender alter Weiden hart
am Ufer angesiedelt. Wer hier Erquickung von der
städtischen Tätigkeit sucht, will in Luft und Licht
mit dem Wasser leben, freien Blick auf die schim-
mernde Fläche mit ihren durcheinandergleitenden
Fahrzeugen genießen, möglichst bequem ins Segel-,
Ruder-, Motorboot gelangen. Feinfühlig hat Breu-
haus aus diesen Bedingungen sein Haus entwickelt.
Es ist so eng mit dem See verwachsen, daß man vom

Wasser her zu glauben geneigt ist, man habe das
Salondeck eines Hausboots vor sich, das dort in der
Bucht vor Anker ging, und es ist dann wieder wie ein
Gartenpavillon, in dem die Bewohner einer irgendwo
versteckten Villa mit ihren Gästen den Tee zu nehmen
pflegen. Der Architekt konnte die Erfahrungen seiner
Innenbauten auf großen Dampfern nutzen; auch hier
ist alles klare Zweckmäßigkeit und raffinierte Ver-
wertung des beschränkten Raumes. Das ganze
Wochenendhaus ist eigentlich nur ein kombiniertes
Wohn- und Schlafzimmer mit einer Vorterrasse. Das
gemeinsame flache Dach hält beide Elemente zu-
sammen. Und wenn die mächtigen Glastüren geöffnet
und zusammengelegt werden, so hat man überhaupt
nur ein Gebilde vor sich, nämlich die geräumige
Terrasse mit einer vertieften Loggia im Hintergrund.

Den Grundriß kann man von der äußeren Erschei-
nung des kleinen Meisterwerkes ohne weiteres ablesen.
Die östliche Partie, die sich an die Weidengruppe
lehnt, wurde solid ummauert: dort ist das Zimmer,
das für seine nächtlichen Ruhestätten massive Um-
hegung braucht, mit den winzigen Nebenräumen.
An die Mauerflächen schließen sich die Glasscheiben
der breiten Fenster des Raumes an, und noch weiter
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