Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

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INNEN-DEKORATION

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nicht verzichteten. Alles, was seinen Sinn hat und aus
ihm ehrlich seine Gestalt bezieht, läßt sich ohne wei-
teres zusammenrücken, wenn es auch in Wesen und
Form aus verschiedenen Welten stammt. Ganz
städtisch ist schließlich der gemauerte Kamin der
Hintergrundnische, die für den Herankommenden
und Eintretenden einen betonten Blickpunkt bildet.
Darum ist sie auch von einem dunklen Rahmen um-
zogen, dessen rechteckig geführte Linien mit den
viereckigen Fenster- und Glastürflächen und der ku-
bischen Gestalt des ganzen Baus korrespondieren.
Die Logik der Raumentwicklung wird hier durch die
der Farbe begleitet: von der dunklen Kaminecke und
den sie flankierenden Couches geht es zu der heiteren
Buntheit der roten, gelben, blauen, grünen Woll-
stoffbezüge aus der Hohenhagener Werkstatt.

Die Nischenvertiefung dient nicht nur der wohn-
lichen Anmut des Zimmers, sie hat auch ihre prak-
tische Bedeutung. Von ihren Schmalseiten rechts und
links geht es zu den unentbehrlichen kleinen Neben-
räumen, in denen nun alles wirklich wie auf einem

großen Schiff mit äußerster Raumausnutzung ange-
ordnet ist. Drüben findet man eine kleine Hilfsküche
mit verschmitzten elektrischen Apparaten, die ein
Minimum von Platz beanspruchen. Auf der anderen
Seite ist dem Grundriß eine Garderobe abgerungen,
mit einem Duschwinkel, der von rotem Gummivor-
hang abgeschlossen wird. Auf der Rückseite, vom
Garten zugänglich, ist eine Toilette eingebaut.

Was bei dieser ganzen Arbeit jeden Betrachter ent-
zückt, ist die Einheitlichkeit der Durchführung, die
sich so frei und selbstverständlich gibt, weil sie der
Persönlichkeit des Künstlers entspricht und darum
keine doktrinäre Ängstlichkeit braucht. Man fühlt
die Freude, die es ihm gemacht hat, für einen so
wundervollen Punkt ein Bauwerkchen dieser Art zu
ersinnen. Gerade solche kleinen Nebenleistungen
sagen Entscheidendes aus. An einem Wochenend-
häuschen auf einer Grundfläche von so eng be-
grenzter Quadratmeterzahl kann man Talent und
Eigenart eines Architekten ebenso erkennen wie an
der Klaue den Löwen. — Philipp vockerat

1933. viii. 4
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