Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

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INNEN-DE KORATI ON

lüster aus
kristall und
chromstahl
tr1ennale

PROFESSOR WILLY ERB, der seit längerer Zeit
an der Meisterschule für das deutsche Malerhand-
werk in München den qualifizierten Nachwuchs
dieses Handwerks betreut und dessen temperament-
volle Ausstellungsräume 1927 und 1928 in München
und Düsseldorf berechtigtes Aufsehen erregten, er-
füllt alle Bedingungen, die man heute als das »schöp-
ferische Moment des Bauens und Gestaltens« be-
zeichnen kann. Das heißt so viel, daß Erb, dessen
Wienertum in seinen Schöpfungen deutlichst hervor-
tritt, das rein »Konstruktive«, das jahrelang als Vor-
wand für die baukünstlerische Leistung galt, niemals
als das Endziel des Gestaltens und Formens erachtete.
Aus dieser Tatsache erklärt sich die leichtbeschwingte
Musikalität seiner Räume, die trotz der durchaus
modernen Meinung, die sie beherrscht, irgendwo von
dem Geiste Mozarts durchwoben werden. Im Gegen-
satz zu anderen modernen Architekten, die bis zu
einem hohen Grade dem gegebenen Werkstoff Unter-
tan sind, bedient sich Erb der ästhetischen Qualität
desselben, die sich gleichmäßig aus der Erscheinung

der Oberfläche und dem farblichen Charakter zu-
sammensetzt, im durchaus schöpferischen Sinne.
Aus seiner malerischen Begabung leitet sich der be-
herrschte Sinn für die richtige Verteilung der raum-
begrenzenden Teile und die ebenso richtige Verwer-
tung der sinnvoll konstruierten und doch, man
möchte sagen: »entsachlichten« Möbel ab. Neben den
auf den Seiten 320 und 321 abgebildeten mehr re-
präsentativen Räumen, die eine glückliche Synthese
aus dem dynamischen und dem stabilen Raum-
prinzip darstellen, kennen wir von Erb Entwürfe für
ländliche Häuser und Wohnräume, die, getragen von
einem wahrhaft deutschen Empfinden, den Beweis
dafür liefern, daß die Kraftquellen des Künstlers in
seiner an künstlerischen Werten überreichen Heimat
zu suchen sind. Dies und die Tatsache, daß Erb als
lehrender Künstler niemals die innige Bindung mit
dem handwerklichen Schaffen verloren hat, ist eine
doppelte Gewähr dafür, daß sich die von ihm vor-
bereitete Gesinnung bis in die Tiefe des schaffenden
Volkes fortsetzt und verbreitet. — otto rqckert
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