Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

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INNEN-DEKORATION

MÜNCHEN-DIE STADT DER DEUTSCHEN KUNST

Die Jahre nach dem Kriege sind für die deutsche
Kunst in weitem Ausmaß Zeiten zuchtloser
Anarchie und Zerrüttung gewesen. Die von den inter-
nationalen Kunstmärkten ausgegebenen Programme
beherrschten maßgebend das deutsche Kunstleben -
das Berliner freilich noch sehr viel intensiver, als das
mehr bodenständige und konservative Münchens und
der sogenannten »Provinz«. Artistische Richtungen
und Moden folgten und jagten einander. Wer für ver-
wurzelte Tradition in Wort und Werk eintrat, wurde
vielfach als Reaktionär belächelt oder totgeschwiegen.
In gleichem Maß wuchs die Vereinsamung und Ver-
einzelung der treu zu ihrer Arbeit stehenden Künstler.

Auch im Bezirk der Baukunst standen neben wert-
vollen Einzelleistungen viele problematische, rein
artistische, seelenlos konstruktive und geistig anar-
chische Entwürfe und Arbeiten, und gerade diese
fanden oft die lauteste Fürsprache. Wenn die Kund-
gebungen anläßlich des Münchener »Tages der Deut-
schen Kunst« dazu beitragen, gerade auch der Bau-
kunst wieder einen organischen Boden zu schaffen,
aus dem Werke wachsen, die im Bewußtsein der Ver-
antwortung gegenüber den großen Leistungen der
Vergangenheit und aus dem Wollen der eigenen Zeit
und Persönlichkeit entstehen, wenn sie dazu beitra-
gen, dem Kunstschaffen überhaupt eine wirksame
Resonanz im Volksempfinden zu geben, dann haben
sie ihren tieferen und eigentlichen Sinn erfüllt.

Auf die Bedeutung dieser Synthese von Tradition
und Zeitgefühl hat Adolf Hitler schon in seiner
Nürnberger Rede sehr deutlich hingewiesen: »Nur
aus Vergangenem und Gegenwärtigem zugleich baut
sich die Zukunft auf . . . Ohne Angst, das gefundene
und überlieferte Gut der Vorfahren zu verwenden,
mutig genug, das selbstgefundene gute Neue mit ihm
zu verbinden.« Und der Altmeister der deutschen
Architektur, Theodor Fischer, hat sich unlängst in

einem Vortrag in gleichem Sinn geäußert: »Des
Bauens tiefer Sinn ist und bleibt eine Erneuerung,
die auf Vereinfachung und Wahrhaftigkeit beruht . . .
deutsch sein, volkstümlich sein, das ist die Haupt-
forderung des Tages an den Künstler. Unsere Kirchen
sind Häuser Gottes und des Volkes . . . Der Woh-
nungsbau ist unsere schwerste Sorge: Er wird und
muß sich gestalten, wenn erst die Gesellschaft ge-
sundet, wenn die Familie wieder das Element der
völkischen Struktur geworden ist . . . Die Jugend ist
bereit, in das gelobte Land einer deutschen Kunst ein-
zuziehen . . . Und wolle man sie schalten lassen, wie
der Gott sie treibt.«

Wir alle wissen, daß die Probleme des künstle-
rischen Schaffens nicht durch Eingriffe der Exekutive
und Verwaltung gelöst werden können, sondern nur
in organischem Wachstum reifen, gefördert und ge-
pflegt von sachkundigen und verantwortungsbewuß-
ten Sachwaltern. Denn jede große Kunst ist zwar
weltanschaulich gegründet, bedarf aber, um Gestalt
zu werden, der schöpferischen Gnade. Gesinnung
allein, so echt und wertvoll sie sein mag, schafft noch
kein Kunstwerk. Dieses wiederum aber hat sich zu
allen Zeiten auf dem Untergrund einer nährenden
Tradition, in einer lebensvollen Atmosphäre am tief-
sten und großartigsten entfaltet. So ist der Gedanke,
München, die seit Jahrhunderten kunstgeneigte
Stadt, wo alte Traditionen und neue Gesinnungen
immer wieder organisch ineinander verschmelzen,
zum Mittelpunkt des Kunstlebens im deutschen Staat
zu machen, auch wahrhaft innerlich begründet.

Äußerlich dokumentiert wurde dieser neue Wille,
München in seine traditionsgeheiligten Würden
wieder einzusetzen, durch die feierliche Grundstein-
legung des Kunstpalastes, mit dessen Bau
der Führer den bekannten Münchener Architekten
Prof. Paul Ludwig T r o o s t betraut hat. - k. pfister
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