Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 46.1935

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INNEN-DEKO RATION

IN DER »RICHTIGEN BELEUCHTUNG«

Als die Onegin in Amerika ein Konzert gab, fragte
. sie der Manager zunächst, ob sie in roter, blauer
oder gelber Beleuchtung singen wolle. Für den
Kunstenthusiasten eine äußerst lächerliche Frage.
Für den Amerikaner, der die Wirkung jeder Auf-
machung auf das Publikum kennt, ein Faktor von
größter Bedeutung.

In einer Münchner Raumkunstausstellung war ein-
mal eine Plastik aufgestellt, die man durch eine Son-
dervorrichtung wechselnd von oben, unten oder seit-
lich belichten konnte. Für den Beschauer war sehr
lehrreich festzustellen, wie der Ausdruck der gleichen
Figur sich dabei fortwährend veränderte, wie diese
gleichsam - das Gesicht wechselte.

Gibt diese Beobachtung, auf den Alltag übertragen,
dir nicht plötzlich den Einfall, daß in deinem Speise-

zimmer ein viel zu grelles Licht die darunter Sitzen-
den erbarmungslos blendet ? Während deine Gäste im
Nebenraum durch den nicht weiß unterlegten grünen
Schirm das Aussehen fahler Gespenster erhalten, was
die Stimmung nicht gerade hebt! Und du wunderst
dich noch, warum dir der Arzt - zur Brille rät, nach-
dem deine Stehlampe kaum die Platte des Schreib-
tisches übersichtlich beleuchtet!

In allen Arbeitsstuben des Hauses, in Bade- und
Ankleideräumen braucht man taghelle Scheinwerfer.
Musik hört man gern »im Halbdunkel«. Blaues Licht
löst »magischen Zauber« aus. Mattes Rot macht ju-
gendlich, wirkt verschönernd, grelles Rot dagegen
aufreizend. Vorteilhaft ist warmes Orange. Für Ruhe-
räume und das Teezimmer wähle man solche matten
Lampen mit Pergamentschirmen oder in zartem
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