Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 46.1935

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EIN LANDHAUS IN UNGARN

Das Bauen auf dem Lande bringt andere Auf-
gaben mit sich als in der Stadt. Das städtische
Haus muß sich nach außen abschließen und dem
Inneren zuwenden. Im Freien, zwischen Wiesen und
Wäldern, Äckern und Obstgärten steht dem breit
angelegten Bauen, das sich offen der weiten Aussicht
zuwendet, nichts im Wege.

Bei dem hier gezeigten Landhause ist die Ausge-
glichenheit der Baumassen und der Rhythmus des
Gebäudes bedingt durch die Zusammenfassung des
breitgelagerten weißen Teiles mit dem vertikal ge-
richteten Block aus roten Klinkern. Die bessere, ein-
heitlichere Verarbeitung dieses ursprünglichen Planes
zeigt die farbige Skizze mit der langen einfachen
Dachlinie, die dann in der Ausführung einem zweiten
Gastzimmer geopfert werden mußte.

Sämtliche Formen an der Südostseite betonen die
Horizontale: die zusammenhängende Fensterreihe,
die Terrasse mit der Wandung aus Kontexbeton
(einem für Blumenbehälter besonders geeigneten
Material), die über der Terrasse aus roten Balken
errichtete Pergola und das langgestreckte, wenig ge-
neigte Dach mit grauen Wellenplatten aus Eternit.
Der rot-weiß-graue Farbenakkord des Hauses

fügt sich gut dem Bilde der braun-gelb-grünen Land-
schaft ein.

Die Materialien und Farben des Inneren sind der
Lebensart in einem Herrenhaus auf dem Land ange-
paßt. Wände und Decken sind ausnahmslos weiß,
der Fußboden ist mit einfachen langen Eichenholz-
planken belegt. Die Räume bergen hellgraue Velours-
teppiche und Möbel aus naturfarbenem Nußholz mit
Stoffüberzügen in Gelb, Terrakotta und Blau. Eine, die
ganze südöstliche Seite der Zimmer entlanggehende
Tür- und Fensterreihe, mit hellen bis zum Boden
gehenden Vorhängen und das große Fenster an der
Nordseite der Diele lassen die abwechslungsreichsten
Reflexe des einfallenden Lichtes an den weißen Wän-
den spiegeln. Das große Nordfenster gewährt im
Sommer angenehme Kühle und schafft eine Blick-
verbindung zu dem nördlich gelegenen, alten Herren-
haus der Eltern. Verschiedene Gesichtspunkte wirk-
ten bei der Formgebung des Gebäudes mit: das Haus
sollte sich in Gestalt und Farbe der Landschaft ein-
fügen, das Innere der Kultur und Lebensweise des
jungen Gutsbesitzer-Ehepaares entsprechen. Das
Haus ist auch in dem Sinne bodenständig - und
darauf wurde besonderes Gewicht gelegt -, daß es

1935. X. 1
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