Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 47.1936
Cite this page
Please cite this page by using the following URL/DOI:
https://doi.org/10.11588/diglit.10943#0029
DOI article:
Hardenberg, Kuno Ferdinand von: Die Küche
DOI article:Schönheit in der Schlichtheit
DOI Page / Citation link:https://doi.org/10.11588/diglit.10943#0029
INNEN-DEKORAT ION
17
DIE KÜCHE ist neben den Schlafzimmern der
wichtigste Raum im Hause.
*
Die Küche ist im Organismus eines Hauswesens der
Magen. Von ihr hängt es ab, ob in der Familie Glück
oder Unglück, Kraft oder Schwäche, Freude oder
Verdrossenheit herrschen. Die Küche hat ihr Ethos,
wer das verkennt, ist ein armer Narr.
★
In deiner Küche sind Himmel und Hölle vereinigt,
du hast die Wahl, liebe Hausfrau, was sich in ihr
verwirklichen soll. ^
Kluge Frauen reden nicht vom Essen, wie der Zau-
berer nicht von den Geheimnissen seiner Magie
spricht - aber sie sorgen für eine gute Küche.
★
Was in der Küche geschieht ist wichtiger als alles
das, was im Salon geschwätzt wird.
♦
Das Kochen der Frauen beruht auf Intuition und
ist Kunst, das der Männer auf Erkenntnis und ist
Wissenschaft. Die Gelehrten sind sich noch nicht
einig darüber, ob das Kochen der Männer oder das
der Frauen vorzuziehen ist. Kochkunst - Kochwissen-
schaft stehen sich hier gegenüber, graf Hardenberg
SCHÖNHEIT IN DER SCHLICHTHEIT (zu den
Abbildungen auf S. 21). In dem Hausrat des Stutt-
garter Architekten Emil Buck tritt jenes Streben
nach gemütvoller, von echter Handwerksphantasie
getragener Schlichtheit hervor, das in unserer Heim-
gestaltung heute erneut Boden gewinnt. Diese
Schlichtheit hat nichts mit Kargheit oder gar mit
Gedankenarmut zu tun. Ausgehend vom einfachen
Rahmenbau entfaltet Buck das Gerät in klarer Glie-
derung als einen geordneten Körper, der seinen Werk-
stoff und seine Funktionsteile gelassen zur Schau
stellt. Man sieht das besonders deutlich an einem
Stück wie dem Geschirrschrank im Eßzimmer. Das
Holz, mattierte Lärche, kommt zum Sprechen mit
seiner Maser, die teils quer, teils längs verläuft;
Schubladen und Türen, klar abgesetzt und fest in den
Rahmen gefaßt, zeigen die Einteilung; Griffe und Tür-
angeln treten in die Erscheinung. Das Gerät »erzählt«
sich wie eine besinnliche, anmutige Geschichte aus
dem Leben des einfachen deutschen Menschen. Das
ist die Zielvorstellung, die diese Möbel mit sich führen.
Nicht umsonst lebt in dem Eßzimmer aus mattiertem
Birnbaum etwas von Biedermeierstimmung. Über-
lieferung und gutes Zweckdenken von heute treffen
in Emil Bucks Hausrat lebensrichtig zusammen, w.
17
DIE KÜCHE ist neben den Schlafzimmern der
wichtigste Raum im Hause.
*
Die Küche ist im Organismus eines Hauswesens der
Magen. Von ihr hängt es ab, ob in der Familie Glück
oder Unglück, Kraft oder Schwäche, Freude oder
Verdrossenheit herrschen. Die Küche hat ihr Ethos,
wer das verkennt, ist ein armer Narr.
★
In deiner Küche sind Himmel und Hölle vereinigt,
du hast die Wahl, liebe Hausfrau, was sich in ihr
verwirklichen soll. ^
Kluge Frauen reden nicht vom Essen, wie der Zau-
berer nicht von den Geheimnissen seiner Magie
spricht - aber sie sorgen für eine gute Küche.
★
Was in der Küche geschieht ist wichtiger als alles
das, was im Salon geschwätzt wird.
♦
Das Kochen der Frauen beruht auf Intuition und
ist Kunst, das der Männer auf Erkenntnis und ist
Wissenschaft. Die Gelehrten sind sich noch nicht
einig darüber, ob das Kochen der Männer oder das
der Frauen vorzuziehen ist. Kochkunst - Kochwissen-
schaft stehen sich hier gegenüber, graf Hardenberg
SCHÖNHEIT IN DER SCHLICHTHEIT (zu den
Abbildungen auf S. 21). In dem Hausrat des Stutt-
garter Architekten Emil Buck tritt jenes Streben
nach gemütvoller, von echter Handwerksphantasie
getragener Schlichtheit hervor, das in unserer Heim-
gestaltung heute erneut Boden gewinnt. Diese
Schlichtheit hat nichts mit Kargheit oder gar mit
Gedankenarmut zu tun. Ausgehend vom einfachen
Rahmenbau entfaltet Buck das Gerät in klarer Glie-
derung als einen geordneten Körper, der seinen Werk-
stoff und seine Funktionsteile gelassen zur Schau
stellt. Man sieht das besonders deutlich an einem
Stück wie dem Geschirrschrank im Eßzimmer. Das
Holz, mattierte Lärche, kommt zum Sprechen mit
seiner Maser, die teils quer, teils längs verläuft;
Schubladen und Türen, klar abgesetzt und fest in den
Rahmen gefaßt, zeigen die Einteilung; Griffe und Tür-
angeln treten in die Erscheinung. Das Gerät »erzählt«
sich wie eine besinnliche, anmutige Geschichte aus
dem Leben des einfachen deutschen Menschen. Das
ist die Zielvorstellung, die diese Möbel mit sich führen.
Nicht umsonst lebt in dem Eßzimmer aus mattiertem
Birnbaum etwas von Biedermeierstimmung. Über-
lieferung und gutes Zweckdenken von heute treffen
in Emil Bucks Hausrat lebensrichtig zusammen, w.


