Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 47.1936
Cite this page
Please cite this page by using the following URL/DOI:
https://doi.org/10.11588/diglit.10943#0067
DOI article:
Michel, Wilhelm: Umbau einer Wohnung
DOI Page / Citation link:https://doi.org/10.11588/diglit.10943#0067
INNEN-DEKO RATION
55
UMBAU EINER WOHNUNG
Die Umwandlung eines alten Hauses für die Zwecke
eines gepflegten Wohnens nach heutiger Art ist
für die meisten Architekten wahrscheinlich nicht das,
was sie eine ideale Aufgabe nennen. Dem Schaffen
des Architekten liegt von vornherein die Idee eines
»Ganzen«, einer Gestaltung aus einem Gusse zugrunde.
Auf diese Ganzheit muß ein Umbau Verzicht leisten,
und daher wird eine solche Aufgabe immer eine Seite
haben, die dem Architekten nicht gerade lächelt.
Und doch wird sie auch Seiten haben, die ihn an-
sprechen. Etwas Altes, Ausrangiertes retten für die
lebendige Nutzung, die Erfindung, das technische Ge-
schick üben an engen, sperrigen Gegebenheiten, Be-
haglichkeit und menschliche Wärme stiften, wo es
vorher an Licht und Luft, vielleicht sogar an einem
halbwegs brauchbaren Grundriß fehlte — ein solches
Stück Pionierarbeit kann, wenn es herzhaft ange-
faßt wird, eine eigne Befriedigung bringen, zumal
wenn ein Auftraggeber da ist, der die Arbeit durch
Verständnis und ausreichende Mittel fördert, wie es
bei diesem neuesten Läszlöschen Umbau der Fall war.
Paul Läszlö hat schon eine ganze Reihe solcher
Umbauten durchgeführt. Er hat dabei stets eine
außerordentlich glückliche Hand bewiesen. Eine weit-
gehende Anpassungsfähigkeit, eine nie verlegene Er-
findung, ein reicher Vorrat an Ausdrucksmitteln und
Handgriffen haben ihn in den Stand gesetzt, auch
schwierigen Bedingungen haltbare und wertbestän-
dige Ergebnisse abzugewinnen.
Im vorliegenden Falle handelte es sich um ein
Objekt in der Nähe Stuttgarts, ein altes Zweifamilien-
haus, an dem der Zahn der Zeit schon sattsam seine
Arbeit getan hatte. Ein unbrauchbarer Grundriß, un-
zulängliche Installation, schlechte Lichtversorgung
kamen hinzu; der einzige Vorteil bestand in der Lage
am Neckar. In diesem Bau hat Läszlö Bilder des an-
sprechendsten Wohnbehagens erstehen lassen, ange-
fangen von der architektonisch so reizvoll bewegten
Gestaltung des Eingangs (Abb. S. 60) bis zum Ausblick
auf den Neckar, den die Dame des Hauses, eine ge-
bürtige Engländerin, als ihren »Blick auf die Themse«
reklamierte und dem sogar ein schwäbischer Tower-
1936. 11.
55
UMBAU EINER WOHNUNG
Die Umwandlung eines alten Hauses für die Zwecke
eines gepflegten Wohnens nach heutiger Art ist
für die meisten Architekten wahrscheinlich nicht das,
was sie eine ideale Aufgabe nennen. Dem Schaffen
des Architekten liegt von vornherein die Idee eines
»Ganzen«, einer Gestaltung aus einem Gusse zugrunde.
Auf diese Ganzheit muß ein Umbau Verzicht leisten,
und daher wird eine solche Aufgabe immer eine Seite
haben, die dem Architekten nicht gerade lächelt.
Und doch wird sie auch Seiten haben, die ihn an-
sprechen. Etwas Altes, Ausrangiertes retten für die
lebendige Nutzung, die Erfindung, das technische Ge-
schick üben an engen, sperrigen Gegebenheiten, Be-
haglichkeit und menschliche Wärme stiften, wo es
vorher an Licht und Luft, vielleicht sogar an einem
halbwegs brauchbaren Grundriß fehlte — ein solches
Stück Pionierarbeit kann, wenn es herzhaft ange-
faßt wird, eine eigne Befriedigung bringen, zumal
wenn ein Auftraggeber da ist, der die Arbeit durch
Verständnis und ausreichende Mittel fördert, wie es
bei diesem neuesten Läszlöschen Umbau der Fall war.
Paul Läszlö hat schon eine ganze Reihe solcher
Umbauten durchgeführt. Er hat dabei stets eine
außerordentlich glückliche Hand bewiesen. Eine weit-
gehende Anpassungsfähigkeit, eine nie verlegene Er-
findung, ein reicher Vorrat an Ausdrucksmitteln und
Handgriffen haben ihn in den Stand gesetzt, auch
schwierigen Bedingungen haltbare und wertbestän-
dige Ergebnisse abzugewinnen.
Im vorliegenden Falle handelte es sich um ein
Objekt in der Nähe Stuttgarts, ein altes Zweifamilien-
haus, an dem der Zahn der Zeit schon sattsam seine
Arbeit getan hatte. Ein unbrauchbarer Grundriß, un-
zulängliche Installation, schlechte Lichtversorgung
kamen hinzu; der einzige Vorteil bestand in der Lage
am Neckar. In diesem Bau hat Läszlö Bilder des an-
sprechendsten Wohnbehagens erstehen lassen, ange-
fangen von der architektonisch so reizvoll bewegten
Gestaltung des Eingangs (Abb. S. 60) bis zum Ausblick
auf den Neckar, den die Dame des Hauses, eine ge-
bürtige Engländerin, als ihren »Blick auf die Themse«
reklamierte und dem sogar ein schwäbischer Tower-
1936. 11.


