Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 47.1936
Cite this page
Please cite this page by using the following URL/DOI:
https://doi.org/10.11588/diglit.10943#0137
DOI article:
Rückblick und Ausblick
DOI article:Teewagen
DOI Page / Citation link:https://doi.org/10.11588/diglit.10943#0137
INNEN-DEKO RATION
125
TEEWAGEN heißen die hübschen, fahr-
baren Servierbretter, die so praktisch
sind, daß sie heute kaum in irgendeiner
zweckmäßig eingerichteten Wohnung mehr
fehlen. Wie schnell ist mit ihrer Hilfe ein
improvisierter Tee am Kamin gereicht oder
eine Erfrischung auf dem sommerlichen
Balkon serviert. Die Bewirtung des unan-
gesagten Besuches erfordert auch in dem
ohne Personal geführten Haushalt keine Ser-
vierkunststücke mehr. Der Teewagen erspart
der Hausfrau jede umständliche Bemühung,
dem Gast das Gefühl des Müheverursachens.
Kurz, die Behaglichkeit wird erhöht.
Und wie hübsch diese Teewagen sind! Da
gibt es welche in farbigem Schleiflack, in Edel-
holz mit Glasplatten, Kacheln oder buntem
Linoleumbelag, und da gibt es schnittige
Nickel-Glastypen, bei denen sogar die Räder
aus Glas sind. Die einen haben noch die Ur-
form der übereinander gelagerten Etagen,
andere zeigen bereits Kombinationen mit
Fächern und Unterabteilungen. In manchen
sind auch kleine Hausbars eingebaut, die
erst durch das Aufschieben von Türen oder
das Niederlegen von Klappbrettern sichtbar
werden. Bei anderen wieder steigt durch das
Auseinanderschieben der in zwei Hälften ge-
nebenst. schrank geschlossen, ahorn-maser (wohnraums. 122) . °
rechts oben öffnuno mit rohrgeflecht zur Durchlüftung teilten oberen Platte die Miniaturbar gleich
einem Tischleindeckdich aus der Versenkung.
drungen, daß wir uns auf keine
andre Weise zu den großen Wer-
ten der Vergangenheit bekennen
können als dadurch, daß wir unser
eignes Leben zu leben wagen. Da-
zu sei ein nachdenkliches Beispiel
aus ganz anderer Sphäre gestellt.
Als Hölderlin die Tragödien des
Sophokles übertrug, war sein Be-
streben, möglichst treu an der grie-
chischen Vorlage zu bleiben. Nur
wo die Namen der alten Götter im
Text auftauchten und wo es am
leichtesten gewesen wäre, am Ori-
ginal zu bleiben, indem er die Na-
men Zeus, Ares, Aphrodite usw. in
seine Übersetzung übernommen
hätte - da wich er ihnen aus und
setzte Umschreibungen wie »Vater
der Erde« »Schlachtgeist« »göttliche
Schönheit« an ihre Stelle. Warum
verfuhr er so ? - Weil diese alten
Götter für ihn etwas Wirkliches
waren und er fürchtete, dieses
Wirkliche in ihnen durch buch-
stäbliche Wiederholung ihrer ge-
läufigen Namen zu überdecken. — »fahrbare anrichte« schwarz Birnbaum matt, elfenbeinf. resopalbelag
125
TEEWAGEN heißen die hübschen, fahr-
baren Servierbretter, die so praktisch
sind, daß sie heute kaum in irgendeiner
zweckmäßig eingerichteten Wohnung mehr
fehlen. Wie schnell ist mit ihrer Hilfe ein
improvisierter Tee am Kamin gereicht oder
eine Erfrischung auf dem sommerlichen
Balkon serviert. Die Bewirtung des unan-
gesagten Besuches erfordert auch in dem
ohne Personal geführten Haushalt keine Ser-
vierkunststücke mehr. Der Teewagen erspart
der Hausfrau jede umständliche Bemühung,
dem Gast das Gefühl des Müheverursachens.
Kurz, die Behaglichkeit wird erhöht.
Und wie hübsch diese Teewagen sind! Da
gibt es welche in farbigem Schleiflack, in Edel-
holz mit Glasplatten, Kacheln oder buntem
Linoleumbelag, und da gibt es schnittige
Nickel-Glastypen, bei denen sogar die Räder
aus Glas sind. Die einen haben noch die Ur-
form der übereinander gelagerten Etagen,
andere zeigen bereits Kombinationen mit
Fächern und Unterabteilungen. In manchen
sind auch kleine Hausbars eingebaut, die
erst durch das Aufschieben von Türen oder
das Niederlegen von Klappbrettern sichtbar
werden. Bei anderen wieder steigt durch das
Auseinanderschieben der in zwei Hälften ge-
nebenst. schrank geschlossen, ahorn-maser (wohnraums. 122) . °
rechts oben öffnuno mit rohrgeflecht zur Durchlüftung teilten oberen Platte die Miniaturbar gleich
einem Tischleindeckdich aus der Versenkung.
drungen, daß wir uns auf keine
andre Weise zu den großen Wer-
ten der Vergangenheit bekennen
können als dadurch, daß wir unser
eignes Leben zu leben wagen. Da-
zu sei ein nachdenkliches Beispiel
aus ganz anderer Sphäre gestellt.
Als Hölderlin die Tragödien des
Sophokles übertrug, war sein Be-
streben, möglichst treu an der grie-
chischen Vorlage zu bleiben. Nur
wo die Namen der alten Götter im
Text auftauchten und wo es am
leichtesten gewesen wäre, am Ori-
ginal zu bleiben, indem er die Na-
men Zeus, Ares, Aphrodite usw. in
seine Übersetzung übernommen
hätte - da wich er ihnen aus und
setzte Umschreibungen wie »Vater
der Erde« »Schlachtgeist« »göttliche
Schönheit« an ihre Stelle. Warum
verfuhr er so ? - Weil diese alten
Götter für ihn etwas Wirkliches
waren und er fürchtete, dieses
Wirkliche in ihnen durch buch-
stäbliche Wiederholung ihrer ge-
läufigen Namen zu überdecken. — »fahrbare anrichte« schwarz Birnbaum matt, elfenbeinf. resopalbelag


