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Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 47.1936

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Reschovsky, Edwin: Licht und Raum
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Dekorative Aussenmalerei
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https://doi.org/10.11588/diglit.10943#0188

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INNEN-DEKORATION

nante erhebt. In weißem Lack mit goldgehöhtem
Dekor erglänzt nun das Holz der Türen und Fenster,
das die früheren Epochen in der Naturfarbe gelassen
hatten. Weiß sind die geschweiften Möbel und die
bauchigen Kachelöfen, weiß selbst die Puderfrisuren
der Rokokoherren und -damen im seidenen Frack
und im Reifrock.

Das Licht hatte sich den Raum erobert und herrschte
hier bis in die Zeit des Biedermeier mit seinen freund-
lichen, hellen Stuben, den zarten, weißen Gardinen
an den Fenstern, den weißen Türen, weißen Fenster-
rahmen, Kachelöfen und glatt furnierten Möbeln.

Dann aber kam die Gründerzeit der Siebziger- und
Achtzigerjahre, die Zeit der schweren, gerafften Vor-
hänge und der Wiederkehr der Butzenscheiben, der
in »Holzfarbe« gestrichenen Türen und Fensterrah-
men und der geschnitzten Renaissancemöbel aus
massivem Holz. In romantischer Sehnsucht schien
sich die Seele des abendländischen Menschen noch
einmal in das dämmerige Halbdunkel vergangener
Zeiten versenken zu wollen, auf der Flucht vor der
Helle und Klarheit einer zu rationaler Gestaltung
drängenden neuen Kultur.

Aber das Licht ließ sich auf die Dauer nicht mehr
abweisen. Um die Jahrhundertwende entdeckte man
wieder die Schönheiten des Biedermeier: seiner hellen
lichtdurchfluteten Räume, seiner weißen Türen und
Fenster, seiner furnierten, glatt polierten, einfachen
Möbel. Und dem Licht sind wir treu geblieben bis
zum heutigen Tag. — Architekt edwin reschovsky

DEKORATIVE AUSSENMALEREI. Allmählich
gewinnt, wie es scheint, die Frage Bedeutung,
ob nicht die Architektur die Schwesterkünste: die
Malerei und Bildhauerei, in höherem Maße als bisher
in ihren Dienst nehmen sollte. Die Ideologie des rein
sachlichen Bau-Ausdrucks hat offensichtlich, wenn
nicht ihre Geltung, so doch ihren Zwangscharakter
verloren. Es ist geistiger »Raum« da für eine Mitwir-
kung der Malerei und der Bildhauerei; aber man
zögert, die Gelegenheit zu nutzen. Was insbesondere
die Malerei anlangt, so verfügt sie heute über alle tech-
nischen und stilistischen Mittel, um der Baukunst zu
helfen. Sie hat wetterfeste Farben, sie hat alle Mög-
lichkeiten zu einem monumentalen, fernwirkenden,
rednerischen Ausdruck; die Zeit gibt diesen Ausdruck
sogar leichter her als irgendeinen andern. Wie
manche Gartenfassade eines Wohnhauses, wie manche
tote Fläche an einer Innenmauer, einem Pavillon,
einer Terrasse, einem Kaffeeplatz im Freien könnte
durch die Malerei einen zusätzlichen Reiz und Wert
gewinnen! Die Architektur hieß ehemals die Königin
der Künste, und wir wissen, daß dieses Königtum
der Architektur zugleich Ausdruck eines Kultur-
standes war, in dem eine satte, festliche Lebens-
ganzheit wirklich gelebt wurde. Auch heute streben
wir diese Lebensganzheit an. Sie wird nur gewonnen
werden können, wenn auch die Künste sich wieder
gegenseitig erkennen und würdigen, wenn sie ein-
ander die Hände reichen und wieder ein verschwi-
stertes Wirken im Dienste des Menschen lernen. — m.

OTTO ZOLLINGER - SAARBROCKEN »TEEPLATZ IM GARTEN«
 
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