Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 47.1936

DOI article:
Licht und Wärme
DOI article:
Lebenserfüllung im Heim
DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.10943#0240

DWork-Logo
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
228

INNEN-DEKO RATION

Licht - da atmet unser ganzes Wesen auf, es geht
frei, wirkend und ordnend in die Umwelt aus. Licht
heißt Heimat. Licht heißt Glück. — Und Wärme!
Auch sie hat diese freimachende Wirkung, dieses im
tiefsten menschen-freundliche Wesen. Im frierenden
Menschen - auch wenn ihm die Kälte nicht gerade
ans Leben geht - stocken Gedanken und Gefühle. Er
ist eingesperrt, gehemmt. Aber in der Wärme lebt sein
Geblüt auf, die Wärme schenkt ihm erst wahrhaft
sein eignes Leben und die Wirklichkeit der Umwelt.
Wir merken das im Frühling, wenn der erste Sonnen-
schein wieder mit einem Schlage die Natur draußen
bewohnbar für uns macht. Welch ein Freiheitsgefühl!
Welch ein einfaches, großartiges Glück im bloßen
Existieren! Die Kälte scheucht das Leben kümmer-
lich nach innen; die macht es klein und egoistisch.
Die Wärme läßt es frei ausströmen; sie erquickt es
nicht nur in uns selbst, sie stiftet auch erst die tausend
freundlichen Beziehungen zu den Dingen ringsum,
sie knüpft die tausend Fäden zur Umwelt, die uns erst
ein volles Gefühl des Daseins geben. - Muß dies alles
dem sogenannten Kulturmenschen nicht sonderbar,
fast albern und läppisch klingen ? - Gewiß, sofern der
Kulturmensch zugleich auch der typisch undankbare
Mensch ist. Aber das Gedächtnis einer kindlicheren
und daher dankbareren Menschheit hat die Erinne-
rung an den, der ihr im Feuer zuerst Licht und

Wärme brachte, verehrend festgehalten. Es ist die Er-
innerung an ihren Freund und Helfer Prometheus. —

+

1EBENSERFÜLLUNG IM HEIM. Der eigentliche
J Fremdling dieser Erde ist der Mensch. Alle seine
Wege sind getrieben vom Verlangen nach der end-
lichen Erfüllung seines Daseins: einer heimatlichen,
einer wirklichen und ganz und gar von ihm bewohn-
ten Welt. Die immer erneuten Entwicklungen und
Vorstöße der Menschheit laufen letzten Endes darauf
hinaus, aus dieser Welt eine durchgängig »bewohn-
bare« Stätte, ein »Heim« zu gestalten. Schon der ein-
zelne kommt sich verlassen vor, wenn er keine Stätte
hat, die er, ohne einen Widerspruch in seinem Innern
zu rinden, »bewohnen« kann. »Wohnung« ist die un-
persönliche Bezeichnung dieser Stätte; »Heim« nen-
nen wir sie von unsrem Herzen aus. Unser Gesamt-
leben hat seine höheren, ins Geistige entfliegenden
Ziele; aber die Krönung unsres Alltags, wo wir nur
einer unter vielen sind, ist das Heim, die engere Um-
welt, die unsrem inneren Wesen gemäß ist. Zu dem
schönen, gepflegten Heim gehören mancherlei Dinge;
aber vor allem seine geistigen Merkmale, unter denen
an erster Stelle steht: Keine unaufgelöste Fremdheit
zwischen seinen Dingen und unsrem Herzen! Jedes
echte Heim ist daran zu erkennen, daß wir, in ihm
wohnend, zugleich auch in uns selber wohnen. G.M.
 
Annotationen