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Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 47.1936

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Vietze, Alfred: Weiträumigkeit im Mietshaus
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https://doi.org/10.11588/diglit.10943#0430

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WEITRÄUMIGKEIT IM MIETSHAUS

Der übliche Wohnhausgrundriß ist bestimmt
durch den Zweck, vollständige Wohnungsein-
richtungen unterbringen zu können. Wohnraum ist
jedoch nicht ein Raum, in dem Möbel aufgestellt
werden. Es ist der Ort der Erholung, ein Raum, in
dem der Mensch seinen Neigungen nachgeht und
Mitmenschen zum Zwecke der Geselligkeit empfängt,
kurz ein Raum zum Wohnen.

Das übliche Wohnhaus wird verteuert, wenn neben
den Schlafzimmern mehrere Wohnzimmer nötig
werden, weil die Unterteilungen die Baukosten er-
höhen. Außerdem entstehen durch die Unterteilungen
verschiedene Raumkuben ohne jede Weitläufigkeit,
ohne jede Architektur.

Die Abweichung von dem bekannten Wohnhaus-
grundriß zeigt ein Entwurf des Architekten Bern-
hard Pfau für ein Zweifamilienhaus in Rem-
scheid. Auf kleiner bebauter Fläche, die sich in den
geringen Baukosten von 22000 Mark auswirkt, zeigt
der Grundriß drei Wohnräume oder Raumteile,
Platz für vier Betten und alle Nebenräume, die in
einer neuzeitlichen Wohnung verlangt werden.

Was aus diesem Grundriß für die Gesamtwirkung
herauszuholen ist, zeigt das Schaubild. Licht, Luft
und Platz sind die Merkmale des Entwurfes. Man hat
das Gefühl, als sei aus dem Vollen geschöpft, und doch

kann sich dieses Haus jeder leisten, der sich über-
haupt mit dem Gedanken trägt, ein vier- bis fünf-
räumiges Mehrfamilienhaus zu bauen.

Die Intimität der Eßecke wird gesteigert durch
einen Vorhang. Dagegen ist die Wand nach dem
Garten hin in Glas aufgelöst und in diesem Fall in
Felder aufgeteilt, damit das handelsübliche Bauglas
verwendet werden kann. Trotzdem ist reichlich Stell-
raum an den Wänden vorhanden. Die Möbel sind
so verteilt, wie sie den einzelnen Raumteilen dienen
sollen. Sie sind, was ihrer Einfachheit nicht anzu-
sehen ist, abweichend vom Serienmöbel jedem Be-
dürfnis nutzbar zu machen. So läßt sich etwa die
breite Ablage neben dem Schreibtisch für weitere
Bücher oder für Sammlungen und ähnliche Lieb-
habereien verwenden.

Die Anordnung der Möbel könnte ebensogut eine
andere sein. Der größere Teil der Möbel ist nicht
höher als die Fensterbank, so daß die Kastenmöbel
auch unter das Fenster gestellt werden können. Die
Möbel sind also nicht nur auf diese Räume angewiesen.

Was in dem Entwurf angedeutet und geplant ist,
ist in der ausgeführten Wohnungseinrichtung
eines Marmorfachmannes in Düsseldorf Wirklich-
keit geworden. Nur teilen hier die Möbel den Raum
in anderer Weise auf. Vor allem vereinigt das Wohn-

BERNHARD PFAU »ANSICHTEN EINES PROJEKTIERTEN ZWEIFAMILIENHAUSES«
 
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