Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 50.1939

Seite: 283
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LANDHAUS M.-M.— BERLIN-SCHÖN WALDE

ENTW. PROF. FRITZ AUGUST BREUHAUS

KLEINES LANDHAUS IN SCHÖNWALDE

Ein kleines Haus in Garten und Wald! Wer hätte
nicht schon in Gedanken Pläne gemacht für ein
solches erhofftes Idealheim, sich Leben und Dasein
in dieser Umwelt mit den Farben des Wunschtraumes
ausgemalt ? Ganz einfach müßte alles gestaltet sein,
ganz selbstverständlich. »Ich wüßte schon, wie ich es
machen würde«, denkt man und glaubt, im Spiel
seiner Phantasie das Bild des Hauses bereits fertig
vor sich zu sehen. Man bildet sich fast ein, die Risse
des Hauses allein zeichnen zu können, ohne Archi-
tekten, den man nur als bautechnischen Berater zu
benötigen hofft. Sobald aber die Voraussetzungen da-
für eintreten, daß der Plan nun praktisch ausgeführt
werden kann, erleben wir zu unserer Überraschung die
unerwartete, aber alte Tatsache, daß das Einfache, das
in sich zweckmäßig Vollendete, das Schwierigste ist.

Die Wahl des Architekten ist deshalb gerade beim
Bau eines kleinen Hauses von ausschlaggebender Be-
deutung für ein gutes Gelingen des Vorhabens. Der
Satz: »In der Beschränkung zeigt sich erst der Mei-
ster« gilt hier voll und ganz. Die große Schwierigkeit

1939. IX. 1

bei jedem Bau, nämlich Äußeres und Inneres, Ge-
stalt und Gehalt harmonisch aufeinander abzustim-
men, die Form zum Ausdruck des Inhalts werden zu
lassen, Erscheinung und Wesen zur Einheit zu ver-
schmelzen, die Schwierigkeit dieser künstlerischen
Gestaltungsaufgabe wächst paradoxerweise mit den
kleineren Maßen. Jeder Fehlgriff, jedes Versagen
wirkt sich nachteiliger aus; die geringste Unausge-
wogenheit der Proportionen macht sich sofort und
stärker bemerkbar als beim großen Baukörper, den
wir nicht mit einem Blick erfassen können. Auch
über das Wesen des Bauherrn, den Geist seiner Be-
wohner sagt das kleine Haus eindeutiger und unver-
schleierter aus: jede halbe Unehrlichkeit, jede Pose,
jede Prätension verrät es sogleich dem Betrachter.
Das Landhaus des Stadtmenschen, der es sich erbaut,
um nach der Arbeit im Büro in einer natürlicheren
ländlichen Umwelt Ausspannung und Erholung zu
finden, muß sich in seiner Gestaltung nach dem
eigenen Gesetz seines inneren Seins ausrichten.
Wie sehr wir beim »einfachen« Bau des »schlich-
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