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Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 54.1943

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Raum des Geistes
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https://doi.org/10.11588/diglit.10969#0102

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INN EN-DEKORATION

ARCHITEKT PROFESSOR FRITZ AUGUST BREUHAUS-BERLIN »HERRENZIMMER DES COMANDANTE A.F.«

RAUM DES GEISTES

Wenn wir die Farben des herrlichen Gemäldes ge- tig klar. Möglicherweise ist es mit ihnen wie mit den
nossen haben, die ein schöner, von Herbstsonne Bildern, von denen es heißt, daß nicht wir sie be-
verklärter Tag uns schenkte, lassen wir noch einen sitzen, sondern sie uns. Sicher gibt es Bücher, die von
letzten Blick über den weitgeschwungenen Horizont- uns Besitz ergriffen haben, wie es Musik gibt, auf die
bogen schweifen, über blau verdämmernde Gärten, das gleichfalls zutrifft. Es gibt Bücher, die uns gleich-
Halden und Hügelzüge, auf denen silberhell und kühn sam an ihr Herz nehmen, wenn wir der Besinnung,
kastellartige Villen hinter steilragenden Zypressen des Trostes und der Einkehr bedürfen und mensch-
leuchten. Die leise Melodie der Landschaft, die wir in liehe Herzen nicht bereit sind, uns Wärme zu spen-
uns aufnahmen und nachklingen lassen, gleitet mäh- den . . . Und die Bücher erwarten, bescheiden, wie sie
lieh über in eine Melodie der Geborgenheit. Wir emp- sind, von uns keine Gegengabe, es sei denn, daß wir
finden neue Freude über die länger werdenden Abende, ihnen einen würdigen Rahmen für ihr stilles Dasein
die uns beim milden Licht der Leselampe zu unseren gönnen. Sie haben ja keine anderen Prätentionen als
Büchern zurückführen. Wir empfinden es als ein die, ihre Pflicht uns gegenüber stets treu zu erfüllen,
Glück, daß es uns vergönnt ist, eine Bibliothek zu be- denn »sie sind bescheiden und sprechen nicht, wenn
sitzen, einen Raum, der innerhalb des Hauses wie man sie nicht anredet. Gebefreudig, wie sie sind, leh-
eine stille, einsame Insel ist, auf die wir uns zurück- nen sie es nie ab zu antworten und leben friedlich
ziehen können, um allein zu sein, um mit unseren miteinander. Meine Architekten bauen Tag und
Büchern Zwiesprache zu halten. Zwar ist das Besitz- Nacht, ohne daß man einen Hammerschlag hört.
Verhältnis zwischen ihnen und uns noch nicht eindeu- Meine Künstler zeichnen, meine Barden singen,
 
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